29 | 04 | 2017

Ein Appell an Eltern

 

T. (13 Jahre) und ich fuhren viel Auto zusammen, wir beiden allein im Auto unterwegs zu den unzähligen Terminen, die sich wie Perlen an einer Kette aneinanderreihten. Ich fand diese Autofahrten immer sehr schön, weil T. dann – anders als im Alltag – nach ein paar gefahrenen Kilometern anfing, von sich, seinen Gefühlen und von seinen Erlebnissen zu erzählen.

 

"Du müßtest den Richtern und Ärzten mehr erzählen, damit sie verstehen, dass du es ernst meinst, dass es für dich keinen anderen Weg gibt, auch wenn Du erst 13 Jahre alt bist." sagte ich.

 

"Mama, das kann man nicht beschreiben. Es ist ein Gefühl. Es ist so, als ob du noch nicht in deinem Leben angekommen bist. Als ob du lebst, was unternimmst, deinen Alltag und deine Pflichten machst, aber trotzdem noch nicht geboren bist. Ich bin in meinem Leben noch nicht angekommen."

 

Geboren und doch noch nicht geboren, so muß sich das anfühlen. Wie in einer

 

"Trance-Fruchtblase" durch das Leben gehen, mitmachen, was verlangt wird, aber kein wahres Hier und Jetzt spüren.

 

Es ist nicht einfach so, wie es wahrscheinlich fast jeder Mensch kennt: man ist unzufrieden mit etwas an sich selbst, körperlich oder seelisch, zu dick, zu dünn, zu wenig Erfolg, zu viel Stress. Das ist nur ein TEIL von einem selbst.

 

Ein transidentes Kind muß sich, nach Aussage von T., KOMPLETT FALSCH fühlen. Das sollte jeder Leser an dieser Stelle für sich mal nachempfinden......

 

Hören sie für ein paar Minuten auf zu lesen und versuchen SIE sich mal für diese Minuten KOMPLETT FALSCH zu fühlen. Können Sie das? Was ist das für ein Gefühl? Versetzen Sie sich wirklich hinein.....FÜHLEN SIE ES, SIE SIND JETZT FÜR NUR FÜNF MINUTEN KOMPLETT FALSCH!

 

Ein transidentes Kind fühlt sich jahrelang so, nicht nur fünf Minuten. Ist es in diesen Fällen nicht "normal", dass sich diese Kinder, wenn sie sich von ihren Eltern, ihrem Umfeld und von den Institutionen, die ihnen eigentlich helfen sollten ihre Identität in ihr Leben zu bringen, so unverstanden fühlen, dass sie zu kompensieren versuchen, sich mit unerwünschtem Verhalten abzulenken, selbst zu verletzten, zu rebellieren, Suizidgedanken haben, in falsche Gruppen abzudriften. Einfach nur aus dem Grund, weil sie Hilfe suchen? Weil sie sich irgendwo verstanden fühlen wollen?

 

ELTERN, IHR seit die nächsten....nehmt Euer Kind ernst. Egal wie alt es ist. Beobachtet genau, lest gute Lektüre! Hört Eurem Kind zu! Fühlt es! Handelt! Denn nur IHR seit befugt zu handeln, wenn Euer Kind noch minderjährig ist....!

 

Auch ihr wolltet früher, dass Eure Eltern Euch verstehen und Euch beistehen, oder?

 

Und? Habt ihr Euch verstanden gefühlt? Habt ihr Euch immer begleitet gefühlt? Haben Eure Eltern es immer fantastisch gefunden, was ihr vor hattet? Hatten sie immer Verständnis für Eure Bedürfnisse und Eure Gefühle?

 

Ich bezweifele jedes gedachte hundertprozentige Ja.

 

Eure transidenten Kinder sind etwas GANZ BESONDERES. Unterschätzt Eure Aufgabe nicht. Handelt, das ist mein Rat, und unterlasst jede Verzögerung. Handelt, um die Systeme zu verändern, die Eure Kindern so lange in Gefangenschaft leben lassen. Handelt aus Liebe zu Euren Kindern und vielleicht auch aus Liebe zu Euch selbst. Denn nur wer Liebe gibt, kann dieselbe auch empfangen. Ihr werdet es spüren.

 

Wenn nicht sogleich, aber irgendwann.....

 

Verfasst von R.L., Mutter eines Trans-Kindes