26 | 03 | 2017

SCHWUSO


Lesbische Sozialdemokratinnen und schwule Sozialdemokraten

Integration der Transgenderbewegung und der Lesben- und Schwulenbewegung

Bei allen Aktivitäten, Projekten oder politischen Forderungen für das Leben von Lesben und Schwulen in unserer Gesellschaft, vor allem

1. im Zusammenhang mit dem Rechtsinstitut der Eingetragenen Partnerschaft,

2. mit einem Antidiskriminierungsgesetz für Lesben und Schwule,

3. mit Problemen der Arbeitsplatzsicherung und

4. mit Forderungen an die EU

werden wir, zur Vermeidung von Abgrenzung oder Ausgrenzung der Transgenderbewegung, die immer mitbetroffen sein wird, deren Probleme mit beachten und, soweit Fragen dazu nicht in unseren eigenen Reihen geklärt werden können, fachkompetente Vertreter der Transgenderbewegung hören.

Der Bundesarbeitskreis lesbischer Sozialdemokratinnen und schwuler Sozialdemokraten - SCHWUSOS sucht bewusst den Kontakt zur Transgenderbewegung und strebt an gemeinsame Probleme auch gemeinsam zu lösen.

Historisch gesehen haben Lesben, Schwule und Transgender einen langen Teil ihres Weges zu Selbstbestimmung und Anerkennung gemeinsam zurückgelegt. Vor etlichen Jahren jedoch trennten sich die Wege, und während Lesben und Schwule mittlerweile zumindest eine gewisse Anerkennung der Vielfalt ihrer Lebensformen erreicht haben, müssen Transgender immer noch mit den Geschlechtsrollenklischees kämpfen, gegen die sich ja auch Schwule und Lesben seit Jahren wehren. Das geht vom Bestreiten der Existenz schwuler und lesbischer Transgender (denn richtige Männer und Frauen haben selbstverständlich heterosexuell zu sein) bis zu Uralt-Klischees, die TransFrauen Röcke vorschreiben und TransMännern Damenfahrräder verbieten. Außerdem wird weiterhin Transgendern, die beispielsweise genitalangleichende Maßnahmen nicht wünschen, oftmals jegliches Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abgesprochen.

Erst seit relativ kurzer Zeit erstreiten sich auch Transgender das Recht, jenseits von Geschlechtsrollenklischees zu leben. Inwieweit dabei der/die einzelne alte Rollen aufgreift oder für sich neue schafft, ist eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muss. Diese Freiheit muss auch die Freiheit enthalten, seinen Körper dem inneren Empfinden und/oder der gewünschten sozialen Rolle anzupassen - oder eben nicht. Gleiches gilt selbstverständlich auch für formale Dinge - wie zum Beispiel dem Namen und Personenstand. Gerade in dieser Hinsicht werden die Schwusos das Bemühen, das TSG entsprechend zu reformieren, unterstützen.

Fundament dieser Entwicklung kann nur ein ständiger Dialog über die Geschlechtrollen in dieser Gesellschaft sein. Dieser Dialog wird bereits seit langem von der Lesben- und Schwulenbewegung geführt. Die besonderen Aspekte von Transgendern wurden dabei aber in der Vergangenheit zu wenig berücksichtigt.

Beschlossen am 15.04.00 in Stuttgart bei 1 Gegenstimme / 1 Enthaltung