30 | 03 | 2017

Männliche Sexualhormone

1. Natürliche männliche Sexualhormone

2. Anabolika

3. Hinweise für Transmänner

Schlussbemerkung

1. Natürliche männliche Sexualhormone

Dies sind im wesentlichen die sogenannten " natürlichen Androgene ", oder C19- Steroide genannt.

Das wichtigste aus dieser Reihe ist das in den "Leydigschen Zwischenzellen" gebildete Testosteron. Dieses wird in einigen der Erfolgsorgane, also Organen wo das Testosteron Wirkungen zeigt, in sogenanntes 5a-Dihydrotestosteron umgewandelt. Diese Organe sind z.B. die äußeren Genitale, die Prostata und die talgbildenden Sebozyten.

5a-Dihydrotestosteron besitzt eine wesentlich höhere Affinität ("Anbindungsfreundlichkeit") zum Androgenrezeptor als Testosteron. D.h. im wesentlichen, das 5a-Dihydrotestosteron, gegenüber Testosteron das wirksamere Androgen ist. lm männlichen Körper werden noch andere Androgene gebildet, wie z. B. Dehydroepiandrosteron. Als Hauptbildungsort wären hier die Nebennierenrinden zu nennen. Sie besitzen jedoch eine physiologisch untergeordnete Bedeutung und werden hier nicht weiter behandelt.

1.1) Herstellung der Androgene im Körper (Biosynthese)

Androgene werden aus Cholesterol über Pregnenolon gebildet. Eine wichtige Eigenschaft der Entwicklungsreihe ist hierbei ist, dass wie Testosteron auch Androstandion in 5a?Dihydrotestosteron metabolisiert ("umgewandelt") werden kann ( siehe Abb. 1).

Abb.1)

Es werden im erwachsenen männlichen Körper täglich ca. 7 mg Testosteron gebildet.

1.2) Wege der Androgene im Körper (Kinetik)

Das im Körper gebildete Testosteron hat eine Plasmahalbwertzeit von etwa 10 Minuten. Es ist hier zu 98% an das sogenannte SHGB gebunden. Der hauptsächliche Abbau findet in der Leber statt. Zu einem kleinen Teil werden, auch im männlichen Körper, Androgene in Östrogene umgebaut. Aufgrund des sogenannten First-Pass-Effektes (Übergang aus den Verdauungsor ganen ins Blut) ist Testosteron weitestgehend bei oraler Applikation (durch Aufnahme über den Mund) unwirksam.

1.3) Androgene Präparate

Man hat um die Verweildauer im Körper zu erhöhen bzw. um die Wirksamkeit bei oraler Gabe zu steigern an verschiedenen Androgenen chemische Veränderungen vorgenommen. Ähnlich wie dies bei den weiblichen Sexualhormonen ebenfalls vorgenommen wurde. Man sollte hierbei aber beachten, dass die angegebenen Dosierungen (siehe Tab.1) nichts über die optimale Wirksamkeit aussagen. Diese Anhalte sind individuell auch verschieden.

Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Auch Hormone sind gefährlich!

Tab. 1

Internationaler Freiname Handelspräparat Dosierung
Testosteronpropionat Testoviron Intramuskuläre Injektion von 240mg alle 2-4 Wochen
Testosteronundecanonat Andriol 40-120mg pro Tag per oral jedoch nach einer Initialphase von 2-3 Wochen mit 120-160 mg pro Tag
Mesterolon Proviron
Vistimon
25-50mg pro Tag
per oral Initialphase 75 mg/Tag
individuell verschieden

1.4) Androgenwirkungen des Testosterons bzw. 5a-Dihydrotestosteron

- Förderung Entwicklung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale

- Erhöhung der Libido

- Mitbestimmend für die psychischen Verhaltensmuster des Mannes

- Steigerung des Eiweißaufbaues (anabole Wirkung)

- Talgproduktion wird verstärkt (u.U. Akne)

- u.U. Haarverlust (androgenetische Alopezie)

- Abschluss des Längenwachstums der Knochen (ausgangs der Pubertät)

- Stimmbruch

1.5) Andere Wirkungen der Androgene

- Atrophie (Verkleinerung ) der männlichen wie weiblichen Keimdrüsen

- Retentionen (Zurückhaltung) von: Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Phosphat-, Chlorid-Ionen und Wasser

Die o.a. beschriebenen Retentionen treten insbesondere bei Langzeittherapien mit hohen Androgendosen auf. Des Weiteren ist zu bemerken, dass die blutgerinnungshemmende Wirkung von Cumarin-Derivaten deutlich durch Androgene verstärkt wird.

2. Anabolika

Anabolika sind Stoffe die durch chemische Veränderung des Testosteronmoleküls hergestellt werden. Dabei wurde versucht die anabolen (Eiweißaufbau fördernd) Effekte des Testosterons zu verstärken, und die androgenen Wirkungen zu verringern. Dies gelang jedoch nicht vollständig.

Da dies nicht vollständig gelang sind die Wirkungen und "Anderen Wirkungen" weitestgehend mit denen der Androgene identisch. Sie führen jedoch, infolge der positiven Eiweißbilanz, zu einer deutlicheren Vermehrung der Muskelmasse gegenüber den Androgenen. Sie werden deshalb häufig von Leistungssportlern eingesetzt.

Die in der nachfolgenden Tabelle angegebenen Dosierungen sind immer individuell zu betrachten, ein Missbrauch hat immer negative Folgen, die den eigentlichen Absichten zuwider laufen können.

Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Anabolika sind gefährlich!

Tab. 2)

Internationaler Freiname Handelspräparat Dosierung
Metenolonacetat Primobolan S 2-3 mg pro kg Körpergewicht täglich p.o.
Clostebolacetat Megagdsevit mono 40 mg i.m. 2mal wöchentlich während 3 Wochen
Nadrolondecanonat Deca-Durabolin 25-50 mg i.m. alle 3-4 Wochen

3. Hinweise für "Frau zu Mann-Menschen" - Transmänner

Die durch androgene Produkte hervorgerufenen psychischen Veränderungen können äußerst deutlich sein. Sie sind gegenüber den Wesensveränderungen bei Ostrogensubstitutionen von MzF erheblich intensiver und beeinflussen Ihre Umgebung dementsprechend mehr. Beachten Sie hierbei insbesondere Ihr Aggressionspotential! Nicht jede Ablehnung Ihrer Person, liegt in der Offenbarung der Absicht Ihre geschlechtliche Rolle wechseln zu wollen. Häufig sind es die mit der Verabreichung von Androgenen einhergehenden Wesenveränderungen die ursächlich Probleme mit sich bringen und weniger Ihre Absichten. Beobachten Sie sich sehr genau selbst und nehmen Sie bewusst Ihre Persönlichkeit etwas zurück. Auch geborene Männer haben dies in Ihrer Jugend lernen müssen!

Auch sollten Sie berücksichtigen, dass viele der physiologischen Veränderungen Ihres Körpers, die mit der Androgensubstitution einhergehen, irreversibel sind. Insbesondere Stimmbruch, Vergrößerung des Kehlkopfes, das typisch männliche Haarverteilungsbild u.a.m.. sind nach ihrem Eintritt nicht mehr von selbst rückläufig. Auch dann nicht, wenn wieder weibliche Hormone verabreicht werden!

Sie sollten wissen, dass der Satz "Viel nützt viel" in der Anwendung von Medikamenten meist nicht stimmt!

Einer der elementaren Grundsätze der Biochemie, das Amdt-Schulz-Gesetz, lautet:

Schwache Reize fördern, starke hemmen und stärkste lähmen die Lebenstätigkeit,

Achten Sie auf Schmerzen im Rücken, in der Gegend wo die Wirbelsäule das Becken berührt, und auf Schmerzen, insbesondere unterschwellige, im Rücken dort wo die letzten Rippen sind. Diese Schmerzen könnten mit Ihrer kontrageschlechtlichen Hormonbehandlung zusammen hängen. Tasten Sie auch ab und an Ihre Leber ab, ob diese vielleicht vergrößert ist.

Ständiger Durchfall allein, unter Umständen verbunden mit krampfartigen Schmerzen unterhalb des Bauchnabels, ist in jedem Fall ein Grund Ihren Arzt aufzusuchen. Hierbei sollten Sie bzw. Ihr Arzt dem Mineralstoffhaushalt, besondere Aufmerksamkeit widmen.

Bedenken Sie: "Sie greifen in ein sich weitestgehend selbstregulierendes System, Ihren Körper ein. In bestimmten Toleranzgrenzen verkraftet dieser das, aber dann nicht mehr, wenn Sie diese Grenzen überschreiten."

Nun noch ein Wort zu verschiedenen auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Hormon-Präparaten:

Diese häufig aus den Ostblock stammenden Präparate enthalten meist aus Hirnen von Leichen gewonnene Hormone, oder sind teilweise sogar mit gefährlichen Substanzen verschnitten. Es ist über diese Produkte bekannt, dass Sie mit Prionen kontaminiert sind. Diese "Verunreinigungen" können, die sogenannte Kreuzfeld-Jakob-Krankheit, Hepatitis und andere lebensgefährliche Erkrankungen auslösen.

Substanzen unbekannter Ursprungs gehören nicht in Ihren Körper, auch wenn diese Ihnen von "guten Bekannten" angeboten werden. Nur Ärzte und Apotheken garantieren Ihnen einwandfreie Medikamente!

Schlussbemerkung

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgeänderte Version eines Textes zu einer umfassenden Ärzteinformation der dgti. Dieser Text ist lediglich eine Information, die bestimmte Verhältnisse für Betroffene darstellen soll. Sie ist in keinem Falle als eine Rezeptur oder Gebrauchsanweisung zur Selbstmedikation zu verstehen.

Dieser Text unterliegt dem Copyright © der dgti und wurde verfasst von J. Cl. Clüssrath. Nachdruck oder Vervielfältigung jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung der dgti sowie der Autorin.