„Was ich als kleines Kind lernen musste, das mussten jedoch auch viele Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten vor – und leider auch nach – 1945 lernen: Denn es macht Menschen krank, wenn sie sich verstecken und verleugnen müssen.
Und noch etwas habe ich verstanden: Das Versprechen „Nie wieder!“ meinte längst nicht alle Opfergruppen der Nationalsozialisten. Roma und Sinti mussten noch jahrzehntelang um Anerkennung kämpfen; das wurde gesagt. Und wiederum erst sehr spät wurde verstanden, dass zum Beispiel der Haftgrund „asozial“ eine Nazi-Definition war, die auch zur Verurteilung lesbischer Frauen missbraucht wurde.“ – Rozette Kats –
Heute, am 27. Januar, gedenken wir allen Opfern des Nationalsozialismus. Als Trans* und Inter* Verband gedenken wir besonders der Menschen, die während des NS Terrorregimes aufgrund ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität verfolgt wurden und Opfer der NS-Gesetze oder geheimer Anordnungen wurden.
Wer den Nazis nicht genehm war, für den wurde eine passende Kategorie gefunden. Asozial oder homosexuell sind die häufigsten Zuschreibungen der Nazis für trans* Personen. Für „Sexuell Entartete“ wurde schließlich 1944 vom Reichsicherheitshauptamt (RSHA) eine „sicherheitspolizeiliche Behandlung“ angeordnet. Wir wissen heute, was eine derartige „Sonderbehandlung“ in der NS Zeit zu bedeuten hatte.
Wir erinnern an das, was damals geschehen ist. Die historische Aufarbeitung der Verfolgung trans*-, inter*- und nicht-binären Menschen in der NS Zeit hat endlich begonnen. (Mehr dazu auf unserer Website unter dem Projekt „Verfolgung, Benachteiligung, Lebensrealitäten trans*, inter*, nicht-binärer und agender Personen im NS Staat 1933-1945 auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz“)
Wir mahnen davor, wie unsere Zukunft aussehen kann, wenn wir uns nicht täglich in unserem Alltag gegen Faschismus, Hass und Menschenfeindlichkeit positionieren. Wir alle dürfen uns unserer historischen Verantwortung niemals entziehen.
Das einleitende Zitat stammt von Rozette Kats. Sie überlebte den Holocaust als ihre jüdischen Eltern sie als Baby bei Pflegeeltern versteckten. Ihre Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Ihre komplette Rede bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus finden Sie hier.
Sie möchten mehr über die Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus erfahren? In der Online-Ausstellung „Spektrum des Un-rechts“ werden einige der Opfer vorgestellt. Zusätzlich finden Sie auf unserer Website den Artikel „Trans* im Dritten Reich“ von Julia Steenken.
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