Zugänge zu einer bislang wenig erforschten Geschichte
Die Pilotstudie untersucht erstmals systematisch die Verfolgung, Benachteiligung und Lebensrealitäten von trans*, inter*, nicht-binären und agender (TINA*) Personen im Nationalsozialismus am Beispiel des Gebiets des heutigen Rheinland Pfalz. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass diese Gruppe in der bisherigen Forschung weit gehend unsichtbar geblieben ist, da sie nicht als eigenständige Verfolgungskategorie erfasst wurde und in Quellen unter wechselnden, häufig stigmatisierenden Zuschreibungen erscheint. Ziel der Studie ist es, fragmentarische Spuren sichtbar zu machen, methodische Zugänge zu entwickeln und Forschungslücken zu identifizieren. Hierzu kombiniert sie mikrohistorische Fallanalysen mit einer raum- und netzwerkbezogenen Perspektive sowie einem reflexiven Umgang mit Archiven und Kategorien („Queering Archives“). Die Ergebnisse zeigen, dass Verfolgung nicht primär über einheitliche Strafnormen, sondern durch ein Zusammenspiel von Polizei, Justiz und Medizin erfolgte. Geschlechtliche Nonkonformität wurde situativ über verschiedene rechtliche, medizinische und fürsorgerechtliche Instrumente reguliert. Gleichzeitig verdeutlichen die Fallstudien, dass Betroffene Handlungsspielräume nutzten und individuelle Strategien zwischen Anpassung, Tarnung und Selbstbehauptung entwickelten. Die Studie versteht sich als Ausgangspunkt für weiterführende Forschung und leistet einen Beitrag zur differenzierten Aufarbeitung queerer Geschichte im Nationalsozialismus.
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