Die TINA*-Depesche ist unsere Presseschau mit Nachrichten aus der trans*, inter*, nicht-binären und agender Welt. Wir sammeln Meldungen aus aller Welt, die für unsere Community wichtig sind. Dazu zählen Meldungen, die es noch nicht in unsere eigenen Artikel geschafft haben, und Themen, die wir gerade recherchieren.
Damit wir nicht zur reinen Nachrichtenschleuder werden, erscheint die Rubrik höchstens einmal pro Woche. Viele „Neuigkeiten“ sind auf den zweiten Blick gar nicht so heiß, wie sie zunächst wirken. Wir filtern für dich vor, ordnen ein und zeigen, was für TINA*-Personen vielleicht interessant ist.
Deutschland
BMI-Verordnung zum Melderegister nach SBGG
Streit um Datenhunger: Eine geplante Verordnung zum Selbstbestimmungsgesetz löst heftige Kritik aus. Verbände warnen vor „Zwangsouting“ durch die dauerhafte Speicherung früherer Einträge.
Quelle: netzpolitik.org | Datum: 16.07.2025 | Themenbereich: Recht/Politik, Datenschutz | Fokusgruppe: trans*, inter*, nicht-binäre Personen, Behörden | Stimmung: negativ-kritisch
Das Bundesinnenministerium (BMI) hat Eckpunkte für eine Verordnung zur Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) vorgelegt. Laut netzpolitik.org sollen Meldebehörden zusätzliche Datenfelder einführen. Sie sollen frühere Vornamen und Geschlechtseinträge, Änderungsdaten und zuständige Behörden dauerhaft speichern. Außerdem könnten Behörden diese Informationen untereinander weitergeben. Kritiker*innen, darunter Abgeordnete und Verbände, sehen darin ein massives Risiko für Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Die Sorge: Wer seinen Geschlechtseintrag nach dem SBGG ändert, könnte im Verwaltungsalltag nicht „unsichtbar“ werden, etwa wenn andere Stellen auf die Altdaten zugreifen. Befürworter im BMI verweisen auf Notwendigkeiten der Verwaltungspraxis und auf Vorgaben aus der Registermodernisierung. Für Betroffene stellt sich die Frage, ob eine mögliche Wiedererkennung das Offenbarungsverbot des SBGG aushöhlt. Politisch ist das Verfahren brisant, weil es ohne Parlamentsgesetz auskäme. Für Beratungsstellen und Communitys ist das Thema hochrelevant. Es geht um Vertrauen in staatliche Register, Missbrauchsrisiken und rechtskonforme Datensparsamkeit.
Quelle: https://netzpolitik.org/2025/selbstbestimmungsgesetz-dobrindt-plant-zwangsouting-per-verordnung/
Berlin
CSD: Kleine Gegenproteste, Polizei nimmt mehrere Personen fest
Der Berliner CSD 2025 bleibt trotz aufgeheizter Stimmung überwiegend friedlich. Die rechte Gegenmobilisierung fällt deutlich kleiner aus als befürchtet.
Quelle: epd (evangelisch.de) | Datum: 27.07.2025 | Themenbereich: Gesellschaft/Sicherheit | Fokusgruppe: CSD-Orgas, Teilnehmende, Polizei | Stimmung: überwiegend positiv, mit Restrisiko
Laut epd feierten mehrere Hunderttausend Menschen den Berliner CSD am 26. Juli 2025 überwiegend friedlich. Die Polizei meldete 64 Festnahmen und drei verletzte Einsatzkräfte. Eine rechtsextreme Gegendemonstration beschäftigte die Polizei ebenfalls. Die „Internationalist Queer Pride“ in Kreuzberg mit rund 10.000 Personen löste die Polizei wegen wiederholter Angriffe auf Einsatzkräfte und antisemitischer Parolen auf, dabei gab es 57 Festnahmen. Die Veranstalter betonten den politischen Charakter des CSD in einem Jahr, in dem queerfeindliche Straftaten bundesweit deutlich zugenommen haben. Sichtbarkeit, Solidarität und Sicherheit standen im Mittelpunkt. Routenführung und Schutzkonzepte stimmten die Veranstalter im Vorfeld eng mit den Behörden ab. Für die Communitys ist die Bilanz ermutigend: Große Teile der Stadtgesellschaft tragen den CSD, rechtsextreme Störversuche gab es, die Lage blieb aber überwiegend friedlich. Gleichzeitig mahnen Beratungsstellen, dass Online-Hetze, einzelne Angriffe und Drohungen das Sicherheitsgefühl vieler TINA*-Personen weiter belasten. Die Diskussion über dauerhafte Präventions- und Meldestrukturen geht damit weiter.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-csd-2025-gegner-bleiben-weitgehend-aus-11427936.html
Hamburg
Rekordbeteiligung beim CSD
Mehr als eine Viertelmillion Menschen setzen ein deutliches Zeichen. Die Hansestadt erlebt ihren größten CSD.
Quelle: Deutschlandfunk | Datum: 02.08.2025 | Themenbereich: Gesellschaft | Fokusgruppe: Community, Stadtgesellschaft, Orgas | Stimmung: positiv
Nach Polizeiangaben nahmen rund 260.000 Menschen am Christopher Street Day in Hamburg teil. Die Veranstalter*innen sprechen von einer Rekordbeteiligung und einem kraftvollen Signal gegen Queerfeindlichkeit. Hinter der Zahl steht monatelange Organisationsarbeit mit einem klaren Thema: Solidarität, Schutz und gleiche Rechte, auch vor dem Hintergrund zunehmender Hasskriminalität. Die Stadtverwaltung half bei Logistik und Sicherheitsabsprachen. Zahlreiche Vereine und Initiativen betonten die politische Dimension: Pride ist nicht nur Party, sondern Protest. Für TINA*-Personen sind solche Großereignisse zwiespältig. Sie schaffen Sichtbarkeit und Bündnisse, erhöhen aber auch das Risiko von Anfeindungen. In Hamburg blieb es weitgehend friedlich. Gleichzeitig fordern Verbände eine landesweite, einheitliche Erfassung queerfeindlicher Vorfälle und gezielte Präventionsprogramme, von der Schule bis zur Polizei. Der Rekord zeigt, dass die Community mobilisiert ist und breite Teile der Bevölkerung erreicht.
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/hamburg-csd-2025-rekord-berlin-reaktionen-100.html
Deutschland
Prides unter Druck: Rechtsextreme Gegenaktionen nehmen zu
Queer.de zeichnet ein alarmierendes Lagebild: Zahl und Aggressivität rechtsextremer Störversuche gegen CSDs steigen.
Quelle: queer.de | Datum: 03.08.2025 | Themenbereich: Gesellschaft/Sicherheit | Fokusgruppe: CSD-Orgas, Behörden, Community | Stimmung: negativ
Queer.de berichtet, dass rechtsextreme Gruppen zunehmend gezielt gegen Pride-Veranstaltungen mobilisieren. Laut dem Portal registrierten Veranstalter*innen 2024 bundesweit Dutzende organisierte Gegenaktionen. 2025 setzt sich der Trend fort. Die Beispiele reichen von Drohmails über Störversuche im Aufzug bis zu Angriffen am Rande kleinerer Prides. Gleichzeitig meldeten große Städte Rekorde bei der Teilnahme. Mehr Sichtbarkeit und mehr Gegenwehr zugleich prägen die aktuelle Saison. Kommunen und Polizei müssen klären: Wie sichern sie Versammlungsfreiheit und Sicherheit wirksam, ohne die politische Ausdruckskraft von Prides zu beschneiden? Verbände fordern bessere Koordination, niedrigschwellige Meldestellen und konsequente Strafverfolgung. Das Lagebild ist uneinheitlich: Metropolen setzen auf robuste Schutzkonzepte, kleinere Orte mit begrenzten Ressourcen sind stärker gefährdet. TINA*-Jugendliche und ältere Personen scheuen wegen der Drohungen eher die Teilnahme.
Quelle: https://www.queer.de/detail.php?article_id=54582
Berlin
Neonazistische Mobilisierung gegen den CSD
Die Berliner Zeitung dokumentiert die digitale und analoge Mobilisierung rechtsextremer Gruppen. Die Zivilgesellschaft hält dagegen.
Quelle: Berliner Zeitung | Datum: 09.08.2025 | Themenbereich: Gesellschaft/Sicherheit | Fokusgruppe: Community, Zivilgesellschaft, Polizei | Stimmung: negativ, mit widerstandsfähiger Gegenkraft
Die Berliner Zeitung beschreibt, wie neonazistische Gruppen im Vorfeld des CSD versuchten, online wie offline Gegenproteste zu organisieren. Die Recherche zeigt gängige Muster: Desinformation, Verschwörungserzählungen und Einschüchterung. Zivilgesellschaftliche Bündnisse sowie Gruppen aus Kirche, Kultur und Politik antworteten mit Solidaritätsaufrufen, Awareness-Teams und Begleitkundgebungen. Für TINA*-Menschen in Berlin ist diese Spannung nicht neu: Eine starke, sichtbare Szene trifft auf gewachsene Netzwerke rechter Akteure. Sicherheitsexpert*innen betonen die Bedeutung örtlicher Vorbeugung, von Streetwork bis zur Bildung in Schulen, und den Nutzen von Ansprechstellen bei Polizei und Verwaltung. Die Gegenmobilisierung blieb kleiner als erwartet. Das deutet auf wirksame Gegenmaßnahmen und eine breite queerfreundliche Stadtgesellschaft hin. Die Lage bleibt dennoch brüchig. Die Debatte über langfristige Strukturen gegen Hasskriminalität, auch in den Bezirken, geht weiter.
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/news/neonazis-mobilisieren-gegen-berliner-csd-li.2254216
Schweiz
Tausende bei der Pride in Bern
Deutliches Zeichen in der Bundesstadt: Bern feiert eine große, friedliche Pride mit klarer Botschaft für gleiche Rechte.
Quelle: blue News (Keystone-SDA) | Datum: 02.08.2025 | Themenbereich: Gesellschaft | Fokusgruppe: Community, Politik, Öffentlichkeit (CH) | Stimmung: positiv
Keystone-SDA berichtet, dass am 2. August 2025 mehrere Tausend Menschen an der Pride in Bern teilnahmen. Die Organisator*innen wollten ein Zeichen für Gleichstellung, die Sichtbarkeit queerer Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Für Berater*innen ist die Sichtbarkeit in der Fläche wichtig: Sie baut Vorurteile ab, stärkt Netzwerke und erleichtert den Zugang zu Angeboten. Die Berner Pride passt in ein mitteleuropäisches Bild: hohe Teilnahmezahlen, viel Solidarität und dennoch ungelöste Strukturfragen.
Quelle: https://www.swissinfo.ch/ger/gesellschaft/tausende-feiern-pride-in-bern/52578284
Italien
Regierung will Zugang zu medizinischer Behandlung für Minderjährige strenger regeln
Rom verschärft den Kurs: Ein Gesetzentwurf zur Versorgung genderdiverser Minderjähriger entfacht europaweit Debatten.
Quelle: Reuters | Datum: 05.08.2025 | Themenbereich: Recht/Politik, Gesundheit | Fokusgruppe: trans* Jugendliche, Eltern, Ärztinnen/Ärzte (IT/EU) | Stimmung: negativ
Reuters meldet, dass die italienische Regierung einen Gesetzentwurf beschlossen hat, der geschlechtsangleichende Behandlungen für Minderjährige strenger kontrollieren soll. Vorgesehen sind unter anderem eng gefasste Protokolle unter Federführung des Gesundheitsministeriums, vorläufige Zustimmungen durch ein nationales Ethikgremium und ein Register bei der Arzneimittelbehörde, das die Nutzung von Pubertätsblockern und Hormonen erfasst. Befürworter sprechen von „Sorgfalt“ und „Kinderschutz“. Verbände und Fachleute warnen vor bürokratischen Hürden, Verzögerungen und einer Stigmatisierung der Betroffenen. Für Deutschland ist die Debatte relevant, weil europäische Versorgungsstandards und Berufsausübungsregeln ineinandergreifen und Behandlungen über Grenzen hinweg Realität sind. Der Entwurf muss noch durchs Parlament, hat aber bei den Mehrheitsverhältnissen gute Chancen. Kliniken und Familien wägen schon jetzt ab, wie sich mögliche Wartezeiten und Dokumentationspflichten auswirken könnten, medizinisch und psychosozial.
Frankreich
HAS veröffentlicht Leitlinien zur Versorgung erwachsener trans Personen
Premiere in Frankreich: Die Haute Autorité de Santé legt breit abgestützte Empfehlungen vor, mit Schwerpunkt auf informierter Entscheidung und fachübergreifender Versorgung.
Quelle: HAS (Haute Autorité de Santé) | Datum: 18.07.2025 | Themenbereich: Gesundheit/Leitlinien | Fokusgruppe: erwachsene trans Personen, Ärztinnen/Ärzte, Kliniken | Stimmung: überwiegend positiv
Die französische Gesundheitsbehörde HAS hat erstmals Empfehlungen zur medizinischen Versorgung erwachsener trans Personen veröffentlicht. Der Leitfaden behandelt den gesamten Weg: Erstgespräch und Aufklärung, Hormontherapien, chirurgische Möglichkeiten, Begleitung bei der psychischen Gesundheit und Nachsorge. Im Mittelpunkt stehen informierte Einwilligung, realistische Erwartungen und ein Team-Ansatz über Fachgrenzen hinweg. Nötig seien transparente Informationen zu Risiken und Alternativen, etwa bei Thorax-Operationen, Metaoidioplastik oder Phalloplastik, sowie eine Stärkung der Grundversorgung. Minderjährige behandelt ein eigenes Dokument. Für Praxis und Politik ist das Papier ein wichtiger Bezugspunkt in einer aufgeladenen Debatte. Auch für Deutschland sind die Inhalte interessant: Sie spiegeln den europäischen Trend zu einheitlichen, evidenzinformierten Angeboten wider und könnten die Diskussion über Qualitätsstandards und gerechten Zugang voranbringen.
Quellen:
- Übersicht: https://www.has-sante.fr/jcms/p_3636735/fr/transidentite-prise-en-charge-de-l-adulte
- PDF: https://www.has-sante.fr/upload/docs/application/pdf/2025-07/transidentite_prise_en_charge_de_ladulte_-_recommandations.pdf
Ungarn
Ermittlungen gegen Budapests Bürgermeister nach Pride-Durchführung
Politische Zuspitzung in Budapest: Ermittlungen gegen den Bürgermeister wegen der Durchführung der Pride. Ein Symbolfall für die Lage in Ungarn.
Quelle: AP News | Datum: 01.08.2025 | Themenbereich: Recht/Politik, Gesellschaft | Fokusgruppe: Behörden, Community (HU/EU) | Stimmung: negativ/angespannt
AP berichtet, dass die Polizei den Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony am 1. August 2025 befragte, weil er die verbotene Pride-Demonstration vom 28. Juni mitorganisiert haben soll. Er sagte, er sei formell beschuldigt worden, eine verbotene Versammlung organisiert zu haben, und verweigerte die Aussage. Kritiker*innen sehen darin die Fortsetzung staatlicher Schikanen gegen die queere Zivilgesellschaft. Beobachter*innen verweisen auf die Symbolik: Die Hauptstadt steht für eine vielfältigere, offenere Zivilgesellschaft, während die nationale Politik seit Jahren LGBTQI*-Rechte einschränkt. Für internationale Partner ist die Affäre ein Prüfstein: Wie belastbar sind Versammlungsfreiheit und kommunale Selbstverwaltung, wenn zentrale Regierungsstellen Druck machen? Für TINA*-Personen in der Region wirkt die Nachricht einschüchternd. Zugleich erzeugt sie Solidarität und internationale Aufmerksamkeit. Die juristische Bewertung steht noch aus. Politisch ist der Schaden bereits entstanden.
Quelle: https://apnews.com/article/budapest-pride-mayor-investigation-2025-08-01
Großbritannien
London Trans+ Pride mit Rekordteilnahme
Sichtbarkeit als Antwort auf Gegenwind: London meldet einen Rekord bei der Trans+ Pride.
Quelle: The Guardian | Datum: 26.07.2025 | Themenbereich: Gesellschaft | Fokusgruppe: nicht-binäre und trans* Personen, Öffentlichkeit (UK) | Stimmung: positiv
The Guardian berichtet, dass laut Veranstalter*innen mehr als 100.000 Menschen an der London Trans+ Pride teilnahmen. Die Demonstration stand unter dem Motto „Existence and Resistance“ und verstand sich ausdrücklich als Antwort auf ein politisches Klima, das Teile der Medien und der Politik als feindlich erleben. Redner*innen verwiesen auf Verschlechterungen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, Verzögerungen bei Behandlungen und strenge Leitlinien. Für Aktivist*innen ist die große Teilnehmerzahl ein klares Signal an Regierung und Opposition: Trans und nicht-binäre Menschen sind präsent, organisiert und haben Unterstützung. Die friedliche, energiegeladene Stimmung, prominente Beiträge aus Kunst und Kultur und die breite Unterstützung der Zivilgesellschaft zeigen einen widerstandsfähigen Kern, trotz juristischer Rückschläge und polarisierter Debatten.
UK
Längsschnittstudie zur Gesundheit genderdiverser Jugendlicher angekündigt
Forschungslücke schließen: Das BMJ berichtet über ein Vorhaben, die Gesundheit von trans und genderdiversen Jugendlichen systematisch zu beobachten.
Quelle: The BMJ | Datum: 01.08.2025 | Themenbereich: Gesundheit/Forschung | Fokusgruppe: trans* Jugendliche, Eltern, Forschung | Stimmung: positiv
Das BMJ kündigt eine Studie an, die Gesundheit und Wohlbefinden genderdiverser Jugendlicher in Großbritannien über einen längeren Zeitraum und systematisch erfassen soll. Ziel ist eine belastbare Datenbasis zu Versorgungsbedarfen, Risiken und Nutzen verschiedener Maßnahmen. In einer umstrittenen Lage mit politischen Vorgaben und uneinheitlichen Leitlinien soll die Studie Familien, Behandelnden und Politik Orientierung geben. Für die deutsche Debatte ist das wichtig, weil internationale Daten oft in nationale Leitlinien einfließen. Entscheidend wird sein, methodisch sauber zu arbeiten, die Vielfalt in der Stichprobe abzubilden und Ergebnisse offen zu vermitteln. Die Ankündigung sendet ein Signal: Statt Schlagwörtern und Kulturkampf braucht es langfristige, hochwertige Forschung, die Betroffene einbezieht.
Quelle: https://www.bmj.com/content/390/bmj.r1620.full.pdf
UK
Bildungsministerin: Lehrkräfte dürfen „Mx“ nutzen
Symbolpolitik oder Alltagspraxis? Die Regierung stellt klar: Lehrkräfte können die geschlechtsneutrale Anrede „Mx“ verwenden.
Quelle: The Times | Datum: 13.08.2025 | Themenbereich: Bildung | Fokusgruppe: Schulen, Lehrkräfte, Schulträger (UK) | Stimmung: neutral-gemischt
The Times berichtet, dass die britische Bildungsministerin bestätigt hat: Trans und nicht-binäre Lehrkräfte können die Anrede „Mx“ statt „Mr/Ms/Miss“ verwenden. Schüler*innen müssen sie aber nicht zwingend nutzen. Die Linie der Regierung betont „Respekt in beide Richtungen“. Parallel arbeitet das Bildungsministerium an ausführlichen Leitlinien zum Umgang mit trans und genderdiversen Schüler*innen, die Empfehlungen der Cass-Review berücksichtigen sollen. Für Schulen ist das ein Spagat: individuelle Anredewünsche respektieren, klare Kommunikation sichern, Elternrechte und Kinderschutz beachten. Für TINA*-Lehrkräfte ist die Klarstellung ein kleiner, aber symbolisch wichtiger Schritt im Alltag. Schulleitungen müssen örtliche Abläufe und Fortbildungen anpassen. Die Reaktionen fallen erwartungsgemäß gemischt aus und reichen von Erleichterung bis Ablehnung.
USA
Bundesberufungsgericht bestätigt Verbot geschlechtsangleichender Behandlungen für Minderjährige in Arkansas
Juristischer Rückschlag: Das 8. Berufungsgericht stärkt ein Verbot, das landesweit Signalwirkung haben könnte.
Quelle: Washington Post / Reuters-Sammelberichte | Datum: 12.08.2025 | Themenbereich: Recht/Politik | Fokusgruppe: trans* Jugendliche, Eltern, Kliniken (USA) | Stimmung: negativ
Nach Berichten der Washington Post und von Nachrichtenagenturen hat das Bundesberufungsgericht des 8. Bezirks das Arkansas-Gesetz SAFE Act bestätigt. Es verbietet Pubertätsblocker, Hormonbehandlungen und bestimmte Eingriffe für Minderjährige. Die Entscheidung widerspricht Urteilen anderer Bundesgerichte und verweist unter anderem auf eine jüngste Entscheidung des Supreme Court zu einem ähnlichen Gesetz in Tennessee. Für Betroffene bedeutet das direkte Versorgungslücken und den Zwang, in andere Bundesstaaten auszuweichen. Landesweit könnte das Urteil konservative Gesetzesinitiativen befeuern. Für deutsche Leser*innen ist wichtig: Entwicklungen in den USA beeinflussen Debatten, Studien und Praxis international, nicht zuletzt, weil viele Studien aus dem angloamerikanischen Raum stammen. Die Lage ist im Fluss, weitere Klagen sind anhängig.
Quellen:
- https://www.washingtonpost.com/nation/2025/08/12/appeals-court-transgender-transition-care-arkansas/
- https://www.reuters.com/world/us/us-appeals-court-upholds-arkansas-law-banning-gender-affirming-care-minors-2025-08-12/
Spanien
Reportagen über US-LGBTIQ*-„Sexil“ nach Europa
El País beleuchtet einen Trend: Menschen verlassen die USA aus Angst vor politischem Rückschritt und suchen Schutz unter anderem in Spanien und Kanada.
Quelle: El País | Datum: 10.08.2025 | Themenbereich: Migration/Gesellschaft | Fokusgruppe: trans* Personen, Familien, Beratungsstellen (EU/NA) | Stimmung: gemischt
In einer Doppelserie schildert El País, wie Menschen, darunter trans und nicht-binäre Personen und ihre Familien, die USA Richtung Europa verlassen. Ihre Gründe: politische Radikalisierung, Unsicherheit im Rechtsrahmen, Angst vor Diskriminierung und Gewalt. Spanien nennen sie als Zielland wegen der Aufenthaltsmöglichkeiten, der Lebensqualität und der Community-Strukturen. Die Geschichten zeigen, wie politische Maßnahmen, etwa Einschränkungen bei Gesundheitsleistungen, persönliche Lebensentscheidungen prägen. Für europäische Beratungs- und Gesundheitsdienste entsteht neuer Bedarf, von rechtlicher Unterstützung bis zur Gesundheitsversorgung. Die Reportagen verbinden Einzelfälle mit größeren Trends und machen spürbar, wie politische Beschlüsse in den Alltag eingreifen. Für die deutsche Debatte ist das ein Blick über den Tellerrand: Migration reagiert auf Freiheitsspielräume, auch bei der Geschlechtsidentität.
Quellen:
- https://elpais.com/expres/2025-08-10/de-oregon-a-barcelona-y-de-nueva-york-a-madrid-el-mapa-de-un-exodo-silencioso.html
- https://elpais.com/espana/catalunya/2025-08-10/los-refugiados-de-trump-se-instalan-en-espana-no-vamos-a-volver-a-estados-unidos.html
Deutschland
PMK 2024: Höchststand politisch motivierter Straftaten, deutlicher Anstieg bei Hasskriminalität
Offizielle Zahlen zeigen einen starken Anstieg politisch motivierter Kriminalität, auch mit Bedeutung für queerfeindliche Hassdelikte.
Quelle: BMI/BKA | Datum: 20.05.2025 | Themenbereich: Sicherheit/Statistik | Fokusgruppe: Politik, Behörden, Zivilgesellschaft | Stimmung: negativ
Das Bundesinnenministerium und das BKA melden für 2024 einen neuen Höchststand politisch motivierter Straftaten: 84.172 Fälle, mehr als 40 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2001. Die Hasskriminalität stieg um 28 Prozent auf 21.773 Delikte. Besonders stark stieg das Unterfeld „Hasskriminalität“. Für LSBTIQ*-Organisationen ist das ein Alarmsignal: Queerfeindliche Vorfälle gehören zu dieser Entwicklung. Verbände fordern deshalb bessere Erfassung, Vorbeugung und konsequente Strafverfolgung, von der Landespolizei bis zur Justiz. Die Zahlen liefern Hintergrund für die aktuelle Pride-Saison: Die Sichtbarkeit wächst, aber auch die Gegenwehr, online wie offline. Kommunen stehen vor Aufgaben bei Opferschutz, Meldestrukturen und Bildungsarbeit. Die Statistik ist kein Grund zur Panik, aber ein Auftrag: Schutzräume schaffen, Bündnisse stärken, die Datenlage verbessern und den Rechtsstaat handlungsfähig halten. Für TINA*-Personen sind verlässliche Strukturen und offene Kommunikation entscheidend, damit das Vertrauen in Behörden bleibt.
Quellen:
- BMI-Pressemitteilung: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/05/pmk2024.html
- Faktenblatt (PDF): https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/BMI25045_pmk2024-factsheet.pdf
Unterstütze die Arbeit der dgti
Gefällt dir diese Presseschau? Dann teile sie gern mit anderen. Wir von der dgti arbeiten ehrenamtlich, unabhängig und ohne staatliche Förderung, um TINA*-Personen eine Stimme zu geben und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Brauchst du Unterstützung? Dann nutze gern unsere Peer-to-Peer-Beratung.
Du kannst unsere Arbeit auch finanziell stärken. Jede Unterstützung hilft:
- Spenden über betterplace
- Fördermitglied werden
Vielen Dank für dein Vertrauen und deine Solidarität!