Zahlenspiele, oder: Wo sind sie denn hin?
Eine Frage kommt jedes Mal recht früh, wenn man über trans* Menschen redet, und bis etwa 2017 konnte man nur vage Antworten geben:
1. Wie viele seid Ihr eigentlich?
2 Amtliche Statistiken für TSG und SBGG Verfahren Deutschland
3 Internationale Umfragen und Statistiken
4. Statistik der ausgegebenen Ergänzungsausweise der dgti e.V.
Wie viele seid ihr eigentlich?
Erstmalig gaben die beiden Artikel Lynn Conways von 2001 und 2007 stichhaltige Hinweise, dass es schon ein wenig mehr sind als gemeinhin behauptet wird. Schließlich führte das Williams Institute 2011, 2016, 2021, 2025 landesweite repräsentative Befragungen in den USA durch und kam auf einen durchschnittlichen Bevölkerungsanteil von 0,8% der Menschen, die sich als „transgender“ definieren. Dabei wurden auch Unterschiede nach Bundesstaaten, Herkunft und Altersstruktur erfasst. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup, ebenfalls aus den USA, ermittelte 2025 1,1% (2024 1,3%, 2023 0,9%, 2021: 0,7%). Das kanadische Statistikamt gibt 0,33% (2021) an. Unterschiede bestehen in der Altersspanne (USA ab 13, Kanada ab 15 Jahre). Gerade in diesem Altersbereich ist die Zahl der „ja“ Antworten besonders hoch. Auch die Frage, ob nicht-binäre Menschen gezählt wurden, spielt eine Rolle.
Die britische Office for National Statistics veröffentlichte die Ergebnisse eines Zensus aus dem Jahr 2021 für die Gebiete England und Wales: 0,5% ist der Anteil der Personen, die sich mit einem anderen als dem bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht identifizieren. 2024 wurde die Fragestellung für England und Wales als möglicherweise missverständlich eingestuft. Eine Umfrage in Schottland mit akzeptierter Fragestellung ergab jedoch mit 0,44% ein ähnliches Ergebnis.
Bei den US Bundesstaaten kann man auf die Angaben derer schauen, die die Anerkennung der geschlechtlichen Identität ermöglichen und Antidiskriminierungsgesetze haben. Diese liegen statistisch im oberen Feld (0,5-0,8%). Wir als dgti e.V. betrachten daher 0,9% als einen auch auf Deutschland übertragbaren Bevölkerungsanteil entsprechend ca. 740000 Menschen. Auf Basis der Personenstandsänderungen nach dem Transsexuellengesetz (Verhältnis aller jährlicher Geburten zu TSG Verfahren im Jahr 2021) ergeben sich 0,41%. Da die Zahl der Anträge nach dem Selbstbestimmungsgesetz wieder rückläufig ist, bleibt abzuwarten auf welchem Niveau sie sich stabilisiert.
Die Übersicht dazu findet sich am Ende dieser Beitrags. 2016 veröffentlichte unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Steffi Schaaf eine wissenschaftliche Auswertung aller bis 2016 ausgegebenen Ergänzungsausweise mit dem Titel „Es werden immer mehr…!“, die u.a. Rückschlüsse auf die Verfügbarkeit medizinischer Versorgung, Alter des Coming-Outs usw. geben kann.
Hinweis zu staatlichen Statistiken und Gesundheitsprogrammen der USA:
Seit dem 31.1.2025 sind in den USA alle Angaben zu trans* Personen von den Websites der US Bundesregierung gelöscht worden. Wenn Sie in Suchmaschinen „tote“ Links finden, geben Sie diese in das Suchfenster der Wayback Machine ein und wählen einen Speicherzeitpunkt aus dem Jahr 2024. Der Seitenaufruf kann 10-15s dauern.
Angeregt von diesen Berechnungen haben wir die uns vorliegenden Daten chronologisch sortiert und auch mal nachgerechnet.
In älteren medizinischen Fachbüchern werden 2000-6000 „Transsexuelle“ für Deutschland angegeben oder es sollen 5 pro 100000 Menschen in einer Studie aus den Niederlanden
(Arcelus, J./Bouman, W.P./Van Den Noortgate, W./Claes, L./Witcomb, G./Fernandez-Aranda, F. (2015): „Systematic review and meta-analysis of prevalence studies in transsexualism“. In: European Psychiatry. 2015, 30/6, S. 807-815)
sein, was ebenfalls 4800 Menschen für Deutschland entspräche und auf Menschen beschränkt sein soll, die die Diagnose „Transsexualität“ haben und medizinische Maßnahmen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig gibt das Portal Statista 2155 geschlechtsangleichende Operationen alleine für das Jahr 2020 an. Wie kann das sein?
Woher kommen also diese Zahlen, und wer hat ein Interesse daran, die Zahlen mal klein zu halten, wenn es um angeblich „echte Transsexuelle“ geht, oder sie aufzublähen, wenn man einen „Trans Hype oder Trans Boom“ als Schreckgespenst an die Wand malen will? Und wie viele sind wir denn nun? Wer wird eigentlich gezählt?
Eine gute Frage, denn so einfach ist die nicht zu beantworten.
Transsexualität, Transidentität und Transgender sind nach den meisten Definitionen nicht dasselbe. Es gibt mittlerweile keine allgemein anerkannte und tragfähige Definition auch nur einer dieser Begriffe mehr. Wir bevorzugen daher als Sammelbegriff transgeschlechtlich oder trans*, nicht als Neuschöpfung sondern als Platzhalter für alles was den Genderstern hinter trans ersetzen kann.
Die eine trans* Person braucht keine, die andere viele chirurgische Eingriffe, jeder wird einzeln als geschlechtsangleichende Operation gezählt, daraus lässt sich jedoch eindeutig nicht der Zahl der trans* Personen insgesamt ermitteln. Beispiele: Genitaloperation, Brustaufbau oder Entfernung Stimmbandoperationen usw. vervielfachen die Gesamtzahl.
Das Trans* -Spektrum ist recht breit, und reicht von gelegentlichen Cross-Dressern, die ihre andersgeschlechtlichen Anteile zeitweise ausleben wollen, bis zu Menschen, welche die Geschlechtsrolle vollständig wechseln, und die sämtliche sozialen, medizinischen und juristischen Maßnahmen (letztere umfassen Vornamens- oder Personenstandsänderung) in Anspruch nehmen. Die in Deutschland abzulösende ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation) macht es sich noch sehr einfach, und kennt nur „Transsexuell“ (TS) und „Transvestiten“ (Cross-Dresser, CD), und dazwischen gibt es einfach nichts. Was, gelinde gesagt, ja nicht ganz richtig ist. Jedoch haben lange Zeit, und teilweise ist es noch heute so, nur jene Menschen, die zumindest sagten, dass sie alle Maßnahmen wollten, und ihr Geschlecht im binären Sinne verstünden, überhaupt irgendwelche Maßnahmen erhalten. Und es wurden entsprechend auch nur diese Menschen irgendwo wenigstens ansatzweise gezählt. Diese Menschen wurden, mit Ausnahme derer, die Merkmale von Intergeschlechtlichkeit aufwiesen, als transsexuell bezeichnet.
Bestimmte Körpermerkmale sagen für sich alleine nichts über die geschlechtliche Selbstzuordnung aus. Intergeschlechtlichkeit (DSD – Differences of Sexual Development / Varianten der geschlechtlichen Entwicklung) und Trans* können daher auch ein und dieselbe Person betreffen.
Es ist anhand der vorliegenden Daten ohnehin nicht möglich, jene mit DSD aus denen heraus zu filtern, welche in TS-Statistiken enthalten sind. In den meisten Publikationen aus dem medizinischen Bereich wird man als „transsexuell“ eingestuft, sobald man selbstbestimmte chirurgische Eingriffe hat oder anstrebt (genitalangleichende OP (GA) für trans*Frauen, mindestens Mastektomie für trans*Männer). Was man ist, wenn man zwar vollständig die Geschlechtsrolle wechselt, jedoch diese Eingriffe nicht will, darüber besteht schon keine Einigkeit mehr, weder unter Medizinern, noch unter trans* Menschen. (Die Adjektive „trans* Menschen“, „trans* Mann“ und „trans* Frau“ umgehen dieses Problem.) Aus diesem Grunde befinden sich in diesem Text einige Male Anführungszeichen um das Wort „Transsexuell“. In diesen Fällen ist zweifelhaft, ob diese Menschen, von denen die Rede ist, die am meisten verbreiteten Definitionen von „Transsexualität“ unbedingt erfüllen müssen, auch wenn viele es vermutlich tun.
Für die bekannten Statistiken gezählt jedenfalls werden meistens jene Menschen, welche chirurgische Eingriffe machen lassen oder machen lassen wollen. Und das Ergebnis wird dann meistens als „die Anzahl der transsexuellen Menschen“ verkauft. Das ist aber selbst dann unsinnig, wenn man solche Menschen tatsächlich grundsätzlich als transsexuell betrachtet. Denn, so der momentane Stand der Wissenschaft, falls ein von der Zuweisung bei der Geburt abweichendes erlebtes Geschlecht nicht schon angeboren ist, ist sie jedenfalls bereits im Kleinkindalter manifest. Zwischen diesem Zeitpunkt und dem Zeitpunkt, wo die betreffende trans* Person einen chirurgischen Eingriff anstrebt, ist dieser Mensch aber ja nicht weniger trans*. Dazu kommen jene, welche zwar vielleicht den Eingriff gerne hätten, ihn aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht anstreben. Z.B. andere Krankheiten, die einen solchen Eingriff verbieten. Oder man fühlt sich zu alt dafür, oder es ist einem dieses Ergebnis den Aufwand einfach nicht wert. Oder er ist für einen persönlich überflüssig, etwa weil man als Transmann so kleine Brüste hat, dass man damit auch ohne jeden Eingriff problemlos in die Sauna gehen kann. Und so weiter.
Die Anzahl der Menschen, bei denen ein geschlechtsangleichender Eingriff durchgeführt wurde oder die ihn anstreben, ist also keineswegs gleichzusetzen mit der Anzahl derer, die trans* sind; erst recht nicht mit der Anzahl derer, welche die Geschlechtsrolle wechseln (wollen), auf die jedoch die meisten Definitionen von „transsexuell“ nicht zutreffen.
Nun sind jedoch in den letzten 10-15 Jahren auch ganz offen immer mehr nicht-binäre Menschen sichtbar geworden, welche zwar die Geschlechtsrolle vollständig wechseln wollen, sich jedoch nicht als Mann bzw. Frau verstehen, sondern als etwas anderes; die also ihr Geschlecht nicht in einem binären Rahmen verstehen. Und sie wollen gar nicht das ganze Paket der Maßnahmen. Personenstandsänderungen nicht-binärer Personen nach „divers“ oder ohne Geschlechtseintrag sind möglich. Medizinische Maßnahmen werden jedoch durch die Begutachtungsanleitung des Medizinischen Dienstes (Stand 2020) und die derzeitige Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (B 1 KR 16/22 R) fast unmöglich gemacht.
Diese Menschen sind, versucht man eine Statistik über „Transsexuelle“ zu erstellen , ein kleines Problem. Zählt man z.B. wie Lynn Conway in ihrem ersten Artikel nur jene, die eine genitalangleichende Operation haben, fallen davon etliche raus, weil sie keine wollen. (Transmänner lassen diesen Eingriff ohnehin eher selten machen, weil die Ergebnisse sie nicht zufriedenstellen, unabhängig davon, ob sie den Eingriff – gäbe es bessere Ergebnisse – gerne hätten, gäbe es bessere Ergebnisse.) Gleiches gilt für jede andere einzelne Maßnahme. Die andersgeschlechtliche Hormontherapie wäre vielleicht ein brauchbarer Ansatz, wenn auch nicht 100% präzise. Nur, die zählt niemand. (Es wird überhaupt sehr wenig gezählt, mehr dazu unten.) Die nahezu einzigen Zahlen, die erhältlich sind, zählen also „Transsexuelle“. Es ist aber nicht sicher, wie viele dieser Gezählten tatsächlich der ja meist sehr engen Definition von „transsexuell“ entsprechen, und wie viele, um überhaupt juristische oder medizinische Maßnahmen zu erhalten, nur behaupteten, transsexuell zu sein. Hinreichend gesichert ist jedoch, dass viele Menschen, insbesondere seit Mitte der 1990er Jahre, welche die Geschlechtsrolle dauerhaft gewechselt haben, nicht mitgezählt wurden. Dies lässt es sehr wahrscheinlich werden, dass die tatsächlichen Zahlen noch um einiges höher sind als das, was wir hier anführen können.
Ein Beispiel für eine Person, die kaum in irgendeiner der bisherigen Statistiken auftauchen dürfte, ist etwa jemand, der nur Hormone nimmt und ansonsten keine medizinischen Maßnahmen wünscht, und
in Deutschland etwa einen neuen Namen „nur“ als Künstlernamen annimmt, oder bereits einen „verwechselbaren“, wenn auch nicht offiziell geschlechtsneutralen Vornamen hat. In angelsächischen Ländern ist das Ändern des Vornamens so einfach, dass es darüber gar keine Statistik gibt, auch keine, welche aufzählt, welche Namensänderung „geschlechtswechselnd“ war.
Ein Wort im Voraus, betreffs Transmänner bzw. des Verhältnisses trans* Männer zu trans *Frauen. Viele Berichte sprechen zwar über „Transsexuelle“, reden dann aber nur von trans* Frauen. Andere sprechen allgemein über trans* Personen und geben kein Verhältnis an. Oder aber sie sprechen, wie Conways erster Artikel, bewusst nur über trans* Frauen; da dort die genitalangleichenden Operationen an trans* Frauen gezählt wurden.
Die dgti geht über alle Altersgruppen betrachtet b.a.w. von einem Verhältnis von 1:1 plus nicht-binäre Menschen aus, und zwar aus folgenden Gründen: Betrachtet man über den gesamten Zeitraum Untersuchungen über das Verhältnis, fällt auf, dass sich dieses immer mehr auf 1:1 zubewegt: Frühe Zahlen geben etwa einen Transmann auf sechs Transfrauen an, dann werden es 1:4, dann 1:2,x, mittlerweile zeigen neuere Untersuchungen auch schon einmal 1,5:1 in den unteren Altersgruppen. Der Anteil nicht-binärer Personen, die einen Ergänzungsausweis bei der dgti bestellen beträgt ca. 30%. Das liegt unter anderem daran, dass sich nicht-binäre Personen häufiger erklären müssen als binäre trans* Personen.
Seine Ursache hatte dieses ursprüngliche Missverhältnis vermutlich darin, dass erstens zunächst die Medien, und auch Fachpublikationen, nahezu ausschließlich über trans*Frauen berichteten, so dass viele trans*Männer annahmen, für sie gäbe es nichts. Zweitens haben „Frauen“ auch eine wesentlich größere Bandbreite sozialer Möglichkeiten, so dass ein trans*Mann sein Unbehagen in seiner Geschlechtsrolle oft länger und besser kompensieren konnte. Drittens jedoch beinhalteten einige dieser Rollen einen großen sozialen anti-männlichen Druck und eine enge Einbindung in diese soziale Rolle, dies war insbesondere in lesbischen und/oder feministischen Kreisen der Fall. Erst in den letzten Jahren war es überhaupt möglich, die Geschlechtsrolle zu wechseln und dennoch diesem alten Umfeld mindestens teilweise verbunden bleiben zu können, was entsprechend zu einer recht großen Anzahl von Geschlechtsrollenwechslern aus diesem Umfeld führte. Grade diese Menschen jedoch entsprechen sehr häufig gerade nicht dem Standard-Bild eines „transsexuellen Mannes“.
Die Zahlen
Die 7.000:
Fangen wir mal bei den niedrigeren Zahlen an: Woher die „7000 Transsexuellen“ kamen, wissen wir. Eine einfache Rechnung: Mitte der 1990er wurde in einem Artikel über die ersten 10 Jahre Transsexuellengesetz gesagt, dass es 3500 Namens- und Personenstandsänderungen in diesen 10 Jahren (also von 1980-1990) gegeben hätte. Um die Jahrtausendwende rechnete also jemand ganz clever, dass es dann wohl mittlerweile um die 7000 gewesen sein müssten. Das allein stimmte aber schon aus mehreren Gründen nicht:
Während die 3500 angeblich auf Angaben der Gerichte beruhten, behaupteten zuständige Richter später, dass sie nicht nur keine aktuellen Zahlen hätten, sondern dass an ihrem Gericht nie gezählt worden wäre. Außerdem gab es gerade bis in die 1990er Jahre einige Gerichte, welche TSG-Verfahren durchführten, obwohl sie für diese gar nicht zuständig waren; diese Gerichte wurden natürlich niemals angefragt, wie viele Verfahren sie denn bearbeitet hätten. Man darf also schon an den 3500 zweifeln. Aber selbst wenn diese in etwa stimmen:
Keinen Anspruch auf TSG-Verfahren, oder nur unter sehr seltenen Umständen, hatten nichtdeutsche Staatsbürger, immerhin damals nahezu 6 Millionen Menschen. (Das wurde erst 2008 geändert.)
Bis 1982 konnten Personen unter 25 Jahren nicht die Personenstandsänderung, bis 1993 nicht die Vornamensänderung alleine beantragen. Von diesen kamen also nach 1990 auf jeden Fall noch etliche hinzu.
Die Kriterien, nach denen jemand „hinreichend transsexuell“ war, um in den Genuss einer Namens- oder Personenstandsänderung zu kommen, lockerten sich im Laufe der Jahre. So wurde etwa nicht mehr nahezu zwangsläufig eine Transfrau, welche es wagte, (Damen-)Hosen beim Gutachterbesuch zu tragen, mit drei Jahren altem Vornamen bestraft, weil TSG-Anträge wegen so etwas abgelehnt wurden, und was dergleichen Scherze mehr waren. Auch das trug zu einer Steigerung der erfolgreichen Verfahren bei.
Unabhängig von den genannten Phänomenen und auch TSG-Verfahren, aber natürlich sich auf diese auswirkend, war die Tatsache, dass alle mit dem Thema befassten Einrichtungen, einschließlich einiger Gerichte, berichteten, dass seit Anfang/Mitte der 1990er Jahre die Anzahl der Menschen, welche sich an diese Einrichtungen (Beratungsstellen, Ärzte, Vereine usw.) wandten, stark anstieg. Und zwar nicht nur die Zahl der nicht-standard-transsexuellen Menschen, sondern auch die Anzahl derer, welche die Kriterien für TS erfüllten. So berichtete ein Richter Ende der 1990er, dass er früher vielleicht ein bis zwei TSG-Verfahren die Woche bearbeitete, und mittlerweile jeden Tag mindestens zwei habe. Das ist mindestens das Fünffache! Und niedriger sind die Zahlen nirgends geworden seitdem, eher noch höher.
Dazu kommt, dass selbst wenn die 3500 richtig gewesen wären, und dann die 7000 um die Jahrtausendwende gestimmt hätten (was sie nicht haben), wären es 2008 in Deutschland 9800 transsexuelle Menschen, und nicht 2000-7000.
Warum allerdings von den so lange genannten“7000 Transsexuellen“ nochmals einige Tausende verloren gingen, das wissen wir auch beim besten Willen nicht.
Zum Vergleich mit den untenstehenden Rechnungen, 7000 Transsexuelle entsprechen einer Gesamtprävalenz von 0,08:100.000 oder 1:117.000.
Doch ein paar mehr?
Aber könnte es vielleicht doch noch ein paar mehr als die 2000-7000 Transmenschen in Deutschland geben? Doch, ja, ein paar mehr liegen nahe. Nach den vorliegenden Zahlen etwa das 10-fache, um genau zu sein, und das ist nur die (Mindest-)Anzahl derer, welche vollständig die Rolle wechseln und operative Eingriffe in Anspruch nehmen (wollen).
Ein Wort zu den Begrifflichkeiten: Inzidenz beschreibt das Auftreten eines Phänomens in einem bestimmten Zeitraum, also etwa die Anzahl der genitalangleichenden Operationen oder der Anträge auf TSG-Verfahren pro Jahr. Prävalenz beschreibt die Anzahl der Menschen, auf die ein bestimmtes Phänomen zutrifft im Verhältnis zur relevanten Bevölkerungszahl. Eine Inzidenz etwa von 490 „Umwandlungsanträgen“ (siehe unten) ergibt eine Gesamtprävalenz von 45:100.000 oder etwa 20.000 Menschen zwischen 18 und 65, welche solche Anträge gestellt haben oder vermutlich stellen werden. Sehr genau geht Lynn Conway auf die damit zusammenhängenden Fragen und Berechnungen in ihrem Artikel von 2007 ein.
Lynn Conways Artikel
Wie oben angegeben, gibt es zwei Artikel von Lynn Conway zur wahrscheinlichen (Mindest-)Anzahl von Transmenschen.
2001, „Wie häufig tritt Transsexualität auf?“
Hier zählt Lynn Conway die Anzahl der genitalangleichenden Operationen bei trans* Frauen in den USA und rechnet von da aus hoch. Zu bedenken ist bei diesen Zahlen, dass in den USA die Kosten für diese Eingriffe nicht von den Krankenversicherungen übernommen dass, die Zahlen also mit Sicherheit in Deutschland höher liegen. Auch andere Faktoren, wie etwa der dortige völlig unzureichende rechtliche Schutz vor Diskriminierung, dürften die Zahl hier höher liegen lassen.
Aus den Zahlen der durchgeführten Operationen (die natürlich über die Jahre gestiegen sind) errechnet Conway eine Gesamtprävalenz von bereits operierten trans* Frauen von 1:2500. Sie schätzt weiterhin, dass die Anzahl der „transsexuellen“ Frauen 3-5 Mal höher liegt, sich also insgesamt ein Wert von mindestens etwa 1:500 ergeben würde.
Sie schätzt „jährlich irgendwo zwischen 1.500 und 2.000 MzF-GA-Operationen an Bürger*innen und Einwohnern der USA“.
Durch diese Zahlen und andere Erhebungen kommt sie auf ähnliche Werte.
Die 1:2500 stimmen mit den P29b-Zahlen (siehe unten) von etwa 1:2300 hinreichend überein. Würden sich die 1:500 ebenfalls für Deutschland bestätigen, und wir halten das nicht für unmöglich, hätten wir alleine nach diesen Zahlen in Deutschland 160.000 Transmenschen, die zumindest den Wunsch nach medizinischen Maßnahmen hegen.
2007, “On the Calculation of the Prevalence of Transsexualism”
In ihrem Artikel von 2007 schaut sich Conway unbestrittene Zahlen an, nämlich die häufig zitierten früheren Untersuchungen. Allerdings tut sie das sehr genau, und stellt zunächst einmal fest, wer überhaupt gezählt wurde (Menschen, die Hilfe suchten, oder solche, die den sozialen Wechsel absolviert hatten, solche, die Hormone bekamen, oder solche, welche geschlechtsangleichende Operationen hatten/anstrebten), und vor allem schaute sie genau hin, ob diese Zahlen jetzt eine Inzidenz beschreiben sollten, oder eine Prävalenz. Denn auch wenn man 20 Jahre alle Menschen zählt, wird etwa die Anzahl der Menschen mit GA (oder einem der anderen Kriterien) immer noch nicht die Anzahl der „transsexuellen“ Menschen in einer Gruppe sein.
Erst nachdem sie diese Zahlen analysiert hat, rechnet sie diese in Gesamtprävalenzen für jede Studie um. (Die dahinterstehenden, nicht ganz trivialen Methoden sind im Artikel ausführlich erklärt.) Am Ende ergibt die Zusammenfassung dieser Daten folgendes:
Zahlen aus den 1980ern und später ergeben, dass die Anzahl der trans* Frauen, welche operative Eingriffe haben oder zum Zeitpunkt der Zählung aktiv anstreben, mindestens zwischen 1:2000 und 1:4500 liegen, die der trans* Männer zwischen 1:5500 und 1:8000. Daraus ergibt sich für Conway ein Gesamtanteil „transsexueller“ Frauen von 1:1000 bis 1:2000. Eine vergleichende Zahl für trans* Männer gibt sie nicht an, aber wie bereits gesagt, unserer Erwartung nach wird das Verhältnis TM:TF spätestens in naher Zukunft ohnehin bei 1:1 angekommen sein.
Neuere Studien aus Thailand, den USA und dem Vereinigten Königreich legen noch höhere Zahlen nahe, nämlich 1:500.
Conway nimmt auch an, dass die Anzahl von transgender Menschen jene der transsexuellen Menschen nochmals um ein 10-faches übersteigt, wobei man dann bei mindestens 1:100, also einem Prozent der Bevölkerung, wäre. Leider schreibt Conway an keiner Stelle, was denn der Unterschied zwischen Transgender und Transsexualität für sie ist, man kann höchstens ihrem 2001er Artikel entnehmen, dass sie „Cross-Dresser“ mindestens teilweise dazuzählt. Leider gibt sie im selben Artikel die Zahl der Crossdresser in der Bevölkerung mit 2-5% an, kann also offensichtlich nicht alle CDs zu den „Transgendern“ zählen.
Vermutlich zählt sie zu den Transsexuellen jene, welche letztendlich geschlechtsangleichende Operationen anstreben, und alle anderen, die nicht nur gelegentlich in einer anderen Geschlechtsrolle leben, als Transgender. Leider würde sich diese Unterscheidung empirisch nicht bestätigen lassen, weil es sowohl Menschen gibt, die sich als transsexuell betrachten und keine geschlechtsangleichenden Operationen anstreben, als auch Menschen, die sich explizit als nicht-transsexuelle transgender Menschen betrachten, derartige Eingriffe aber wollen oder brauchen. Aber das Definitionsproblem, welches ja ein Allgemeines ist, und welches bereits angesprochen wurde, werden wir an dieser Stelle nicht klären können.
Anmerkung: Im Folgenden haben wir uns vorliegende Zahlen genommen und selbst gerechnet. Die errechneten Zahlen haben wir dann kaufmännisch gerundet, denn Angaben wie „31.155 ‚transsexuelle‘ Menschen in Deutschland“ täuschen eine Genauigkeit vor, die schlicht nicht gegeben ist.
P29b
Kurz als P29b wird bezeichnet der „Abschlussbericht der Projektgruppe P 29 b „Behandlungsmaßnahmen bei Transsexualität“ von 2001, der im Auftrag des MDS (der übergeordneten Stelle der Medizinischen Dienste der Krankenversicherungen, MDKs) erstellt wurde. Dieser wurde beim Erscheinen, nicht ohne Grund, in der Luft zerrissen; einige Autoritäten, von denen Artikel in dieser Studie publizierten, haben sich zum Beispiel öffentlich dagegen verwahrt, mit selbiger in Verbindung gebracht zu werden. Jedoch liefert die P29b einen Satz interessante Zahlen:
Zitat:
„Diesen Zahlen (Anmerkung: Es wurden vorher die bekannten Zahlen früherer Untersuchungen angeführt) sollte zur besseren Einschätzung der Relevanz des gutachterlichen Problems die „Inzidenz“ der Umwandlungsanträge pro Jahr gegenübergestellt werden, die im MDK eingehen:“
50 pro Jahr in Nordrhein (9,5 Mio. Einwohner)
38 pro Jahr in Westfalen-Lippe (8,5 Mio. Einwohner)
80 pro Jahr in Berlin (3,4 Mio. Einwohner)*
30-40 pro Jahr in Bayern (12 Mio. Einwohner)
* Anmerkung im Original: Mobilitätsproblem! Viele Transsexuelle erhoffen sich günstigere richterliche Entscheidungen über ihre Anträge zur Vornamens- bzw. Personenstandsänderung und verlegen ihren 2. Wohnsitz deswegen nach Berlin.
Anmerkung des Autors: Beim schon damals guten Ruf des MDKs in Berlin muss man das für Operationsanträge nicht unbedingt annehmen.
Diese Zahlen, für die auch nicht das Jahr angegeben wird, in dem sie erhoben wurden (das Jahr 2000 scheint wahrscheinlich, eventuell auch 1999 oder 1998), differenzieren leider nicht nach der Art der „Umwandlungsanträge“, aber wir gehen davon aus, dass es selten sein dürfte, dass jemand zwei Anträge für zwei „Umwandlungen“ innerhalb eines Jahres stellt, und damit tatsächlich jeweils verschiedene Transmenschen erfasst wurden, und nicht mehrfache Anträge einer Person. Übrigens kommen uns einige dieser Zahlen etwas niedrig vor, aber rechnen wir einmal nur mit diesen weiter.
Die P29b schließt aus den anderen angegebenen Zahlen, dass sich eine Jahresinzidenz von 0,18:100.000 ergibt, eine 10-Jahres-Prävalenz von 2,1:100.000 und, aus einem nicht näher genannten Grund, „dass bei Vernachlässigung privat erbrachter Leistungen nur etwa jeder dritte vom MDK Begutachtete die Behandlung bis zur Vornamens- bzw. Personenstandsänderung weiterführt.“ (Wobei der letzte Satz nicht einmal Sinn machen würde, wäre eine Grundlage dafür angegeben. TSG-Verfahren sind keine Behandlung, die Vornamensänderung hat oft schon stattgefunden, wenn Operationen beantragt werden, und es werden vermutlich die TSG-Zahlen von 1980-90 mit den OP-Antragszahlen von ungefähr 2000 verglichen.)
Überlässt man das Rechnen jedoch nicht den Autoren der P29b (besser ist das wohl), ergeben sich etwas andere Zahlen:
Etwa 200 Anträge für 33,4 Millionen Einwohner wurden also gestellt, das ergibt etwa 490 Anträge für 82,3 Millionen Einwohner in 2000. Allerdings muss man von diesen 82,3 Millionen zwei Gruppen abziehen: Die nicht gesetzlich Versicherten, etwa 15%. Und die Altersgruppen unter 18 und über 65, denn in diesen Altersgruppen werden bis heute nur sehr wenige Anträge gestellt, im Jahr 2000 waren es noch weniger, und diese wenigen, so sie überhaupt existieren, würden durch die (nicht berücksichtigten) Selbstzahler mehr als ausgeglichen. Gesetzlich versichert und 18-65 Jahre alt waren in 2000 etwa 45,9 Millionen Menschen. 490 Anträge auf 45,9 Millionen ergibt eine Jahresinzidenz von etwa 0,94:100.000, das heißt, etwas weniger als eine Person pro 100.000 Einwohner stellte einen „Umwandlungsantrag“. Schon ein wenig mehr als 0,18;100.000, nicht wahr, nämlich mehr als das 5-fache. Nun ist man auch schon vorher – und bleibt nachher – trans*. 0,94:100.000 neue Transmenschen pro Jahr ergeben also eine Gesamtprävalenz von 45:100.000 (oder etwa 1:2300) in dieser Altersgruppe, oder 20.000 Personen in dieser Altersgruppe. Da man aber ja nicht davon ausgehen kann, dass nur weil keine „Umwandlungsanträge“ gestellt werden, es keine Transmenschen in den anderen Altersgruppen oder unter den privat Versicherten gibt, ergibt sich eine Gesamtzahl von 36.000 Menschen, die Umwandlungsanträge gestellt haben, aller Wahrscheinlichkeit nach stellen werden, oder gestellt hätten, würde sie sich nicht schon zu alt dafür fühlen.
Anzahl der TSG-Verfahren
In der Drucksache 14/9837 des Deutschen Bundestages, der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Christian Schenk und der Fraktion der PDS (Drucksache 14/9789) Situation von Transidenten in Recht und Gesellschaft finden sich folgende Zahlen zu TSG-Verfahren: Zitat:
Die Entwicklung ab 1991 lässt sich derzeit nur aus den Geschäftsübersichten der Amtsgerichte ablesen. Danach ergibt sich folgende Übersicht (Verfahren nach § 1 und § 8 TSG, 1991 bis 1994 nur alte Bundesländer):
| 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 |
| 265 | 311 | 389 | 435 | 400 | 457 | 447 | 507 | 541 | 722 |
Ganz sicher, dass die Zahlen 100%ig stimmen, sind wir uns nicht, denn es erscheint seltsam, dass, obwohl bis 1994 nur die Zahlen der alten Bundesländer, und ab 1995 die Zahlen der gesamten Bundesrepublik vorliegen, die Zahlen 1995 niedriger sind als jene von 1994. Vergleiche auch die Aussage einiger Richter, bei ihnen würden TSG-Fälle nicht gezählt.
Weiterhin ergibt sich das Problem, dass nicht nach Verfahren nach §1 und §8 getrennt wird, und da es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese zu kombinieren (oder auch nicht), ist es schwer, die Zahl der Antragsteller abzuschätzen. (Also etwa zwei Anträge, einer nach §1, einer nach §8. Oder ein Antrag auf §1 mit Vorabentscheid nach §8. Oder gleich ein Antrag nach §8, ohne jemals §1 beantragt zu haben. Oder es wurde nie ein Antrag nach §8 gestellt, etwa weil die entsprechenden medizinischen Maßnahmen nicht durchgeführt wurden, oder eine existierende Ehe erhalten werden sollte.)
Versuchen wir dennoch, diese Zahlen einmal auf die Gesamtprävalenz umzurechnen, und schätzen wir dazu, dass etwa die Hälfte der Antragssteller zwei getrennte Anträge stellen, während die andere Hälfte nur einen Antrag stellt. Dann müssten wir jeweils 75% der angegebenen Zahlen nehmen. Nehmen wir ebenfalls nur die Zahlen nach 1994, also die Zahlen, welche die gesamte Bundesrepublik abdecken. Als relevante Bevölkerungsgruppe mögen deutsche Staatsbürger gelten zwischen 18 und 70. Anträge von Jüngeren waren zwar zu dieser Zeit möglich, aber mehr als selten, ebenso wie bis heute Anträge von über-70-jährigen. Wir rechnen mit einem Ausländeranteil von konstant 10%.
Damit ergeben sich für die Jahre 1995-2000 3074 Anträge und damit 2305 Antragssteller oder durchschnittlich 384 pro Jahr. Die relevante Bevölkerungsgruppe würde durchschnittlich 58 Millionen zählen. Das ist also eine Jahres-Inzidenz von 0,66:100.000 oder eine Gesamtprävalenz von 38:100.000 bzw. 1:2600. Das ergäbe auf die Bevölkerungszahl von etwa 82 Millionen umgerechnet 31.000 „transsexuelle“ Menschen in Deutschland.
Ergänzungsausweise der dgti Wie viele andere mit dem Thema Befasste auch, hat die dgti (bzw. haben ihre Mitglieder) seit Anfang/Mitte der 1990er Jahre einen merklichen Anstieg der Fallzahlen festgestellt. Zwar sind die folgenden Zahlen der in den Jahren 2001 bis 2007 ausgestellten dgti-Ausweise nicht sehr aussagekräftig, was die absoluten Zahlen von Transmenschen angeht, sie zeigen aber den Trend. Zwar existiert der Ergänzungsausweis bereits seit 1998, aber man muss wohl davon ausgehen, dass auch ein derartig nützliches Papier eine gewisse Zeit brauchte, um bekannt zu werden.
| 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
| 109 | 119 | 134 | 140 | 136 | 153 | 86 |
Steigerungsmöglichkeiten
Aus den beiden Zahlenreihen der Gerichtsverfahren und den Zahlen der von der dgti ausgestellten Ergänzungsausweise (auch wenn beide Datensätze ansonsten kaum vergleichbar sind) ergibt sich etwas sehr deutlich: Nämlich eine kontinuierliche Steigerung der Fallzahlen. Die Anzahl der TSG-Verfahren ist in den Jahren 1991-2000 jährlich um 12,4% gestiegen, in den (gesamtdeutschen) Jahren 1995-2000 um 13,1%. Die Anzahl der ausgestellten Ergänzungsausweise ist in den Jahren 2002-2008 durchschnittlich um 7,8% gestiegen. Dies dürfte sowohl auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass Trans gesellschaftlich akzeptierter wird, als auch auf die Tatsache, dass sämtliche Verfahren, ob medizinisch oder juristisch, immer mehr jenen zugänglich sind, welche nicht der Standard-Definition von Transsexualität entsprechen — wenn auch häufig nur mit Kniffen und Tricks.
Entsprechend muss man davon ausgehen, dass die Gesamtzahlen, die sich aus älteren Untersuchungen ergeben, zu niedrig sind und dass man halbwegs korrekte Zahlen erst dann bekommen können wird, wenn sich die Zahlen einpendeln. Rechnet man etwa mit einer Steigerung der Fallzahlen von jährlich 10%, was realistisch scheint, müsste man davon ausgehen, dass etwa die P29b-Zahlen von 2000 heute um mindestens 80% höher wären, es wären also nicht mehr 45:100.000 (oder etwa 1:2300) und damit 36.000 Menschen, die in ihrem Leben „Umwandlungsanträge“ stellen würden, sondern 80:100.000, oder etwa 1:1250, und damit etwa 66.000 Personen, die das tun, getan haben, oder tun werden.
Und wir haben jedenfalls nicht den Eindruck, dass die Zahlen sich langsam einpendeln. Insofern könnte sich noch ergeben, dass bereits in den frühen 1990er Jahren Cornelia Klein von Transidentitas e.V. keineswegs so übertrieb, wie es damals viele behaupteten (und viele heute noch behaupten), als sie von „vielleicht 100.000 Transidenten in Deutschland“ sprach.
Und noch einmal alle Zahlen zusammen: Es handelt sich jeweils um Mindestzahlen „transsexueller“ Menschen in Deutschland, bzw. bei den Conway-Zahlen um Zahlen aus den USA und diversen Studien aus diversen Ländern
| Tabelle für internationale Umfragen und amtliche Statistiken |
| Quelle | Gezählt wurden | im Zeitraum | Anteil T | Gesamtzahl T |
| unbekannt | „Transsexuelle in Deutschland“ | bis 2000 ? | 1:117000 | 7000 |
| Conway 2001 | Durchgeführte GA-Operationen Transfrauen USA | bis 2001 | 1:2500 | 33.000 |
| Conway 2007 | Diverse aufbereitete Statistiken in den USA | 1980er – 2006 | 1:1000 – 1:2000 | 82.000 – 41.000 |
| P29b | „Umwandlungsanträge“ in D | vermutlich 2000 | 1:2300 | 36.000 |
| TSG-Verfahren | TSG-Verfahren in D | 1995-2000 | 1:2600 | 31.000 |
| P29b | mit oben beschriebener Steigerung in D | heute, geschätzt | 1:1250 | 66.000 |
| TSG-Verfahren | TSG-Verfahren in D / zu Geburten p.a. | 2019 | 1:300 | 274.000 |
| Williams Institute | Personen ab Alter 13 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2011 | 1:334 | 700.000 |
| Williams Institute | Personen ab Alter 13 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2016 | 1:167 | 1.400.000 |
| Gallup | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2020 | 1:167 | 1.400.000 |
| Gallup | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2021 | 1:143 | 1.633.333 |
| TSG- Verfahren | TSG-Verfahren in D / zu Geburten p.a. | 2021 | 1:244 | 339.400 |
| Identifikation Zensus | Personen ab Alter 15 in Kanada, die sich einem anderen als dem Geschlecht bei Geburt zugewiesen einordnen | 2021 | 1:300 | 101.000 |
| Identifikation Zensus | Personen ab Alter 16 in England und Wales, die sich einem anderen als dem Geschlecht bei Geburt zugewiesen einordnen | 2021 | 1:200 | 262.000 |
| Identifikation Zensus | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich einem anderen binären Geschlecht als dem bei Geburt zugewiesen einordnen | 2021 | 1:167 | 1.400.000 |
| Identifikation Zensus | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als nicht-binär oder agender einordnen | 2021 | 1:105 | 3.154.465 |
| Williams Institute | Personen ab Alter 13 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2021 | 1:167 | 1.400.400 |
| TSG-Verfahren | TSG-Verfahren in D / zu Geburten p.a. | 2022* | 1:365 | 227.000 |
| Identifikation Zensus | Personen ab Alter 16 in Schottland, die sich als trans* oder als Person mit einer trans* Historie identifizieren | 2022 | 1:227 | 19970 |
| Gallup | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2023 | 1:111 | 2.100.000 |
| TSG- Verfahren | TSG-Verfahren in D / zu Geburten p.a. | 2023* | 1:360 | 230.000 |
| Gallup | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2024 | 1:77 | 4.442.000 |
| TSG / SBGG Verfahren | TSG-Verfahren in D zu Geburten (596 bis 31.10.) / SBGG Verfahren (9993 von 1.11.2024 – 31.12.2024) | 2024# | 1:64 | 1.298.000 |
| Williams Institute | Personen ab Alter 13 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2025 | 1:124 | 2.800.000 |
| SBGG-Verfahren | SBGG-Verfahren in D zu Geburten p.a. | 2025 | 1:42 | 1.989.510 |
| Gallup | Personen ab Alter 18 in den USA, die sich als transgender identifizieren | 2025 | 1:90 | 3.839.000 |
Und noch ein Satz ganz anderer Zahlen:
Folgende Zahlen kamen auf gänzlich anderem Wege zustande (und sind deswegen getrennt aufgeführt): Es wurde in den Niederlanden eine allgemeine Umfrage mit 4170 TeilnehmerInnen zur sexuellen Gesundheit gemacht, in der die TeilnehmerInnen auch nach ihrem Geschlechtsempfinden gefragt wurden. Es handelt sich also nicht um Menschen, die sich in irgendeiner Form selber Hilfe gesucht hatten, wie in den obigen Zahlen.
0,5% der Bevölkerung fühlen sich nach dieser Studie nicht ihrem Geburtsgeschlecht, sondern dem anderen Geschlecht zugehörig. Das sind 1:200, also nochmals das fünf- bis zehnfache der oben errechneten Zahlen. Weitere 5% der Bevölkerung haben eine „ambivalente Geschlechtsidentität, sie fühlen sich mindestens ebenso dem anderen Geschlecht zugehörig wie dem eigenen“, das ist eine/r von 20!
Die Zahlen für Männer und Frauen sind dabei nahezu gleich, für beide werden die 0,5% angegeben, für die „ambivalente Geschlechtsidentität“ 5,1% der Männer (Geburtsgeschlecht) und 5,0% der Frauen (Geburtsgeschlecht).
In einem anderen Artikel in der gleichen Publikation 7 geht es um das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts zum Zwecke sexueller Erregung, hier wird angegeben, daß dies 3,3% der Männer und 0,2% der Frauen gelegentlich oder oft tun. Dabei wurde kein Zusammenhang zwischen dieser Paraphilie und einer ambivalenten Geschlechtsidentität festgestellt. Damit folgt diese üblicherweise als „transvestitischer Fetischismus“ bezeichnete Paraphilie im Gegensatz zu Variationen der Geschlechtsidentität auch dem üblichen Muster der Geschlechtsverteilung bei Paraphilien, dass nämlich Paraphilien im Schnitt bei Männern wesentlich häufiger sind als bei Frauen.
Das Williams Institute führte (2016) und 2025 landesweite repräsentative Befragungen in den USA durch und kam auf einen Bevölkerungsanteil von (0,6%) 0,8% der Menschen, die sich als „transgender“ definieren. Gefragt wurde ab einem Alter von 13 Jahren.
Das Zähl-Problem
Warum ist es eigentlich so schwierig, an Zahlen heranzukommen? Ganz einfach, weil kaum einer zählt. Warum kaum jemand zählt, steht – vielleicht – weiter unten. Das Faktum ist aber leider unbestreitbar.
Ausnahme hier sind Privatkliniken im Ausland, die zählen, denn sie brauchen die Zahlen für ihre Werbung. „Bei uns wurde dieser Eingriff schon so und so oft gemacht!“ ist ein gutes Werbeargument, und diese Kliniken umwerben Transmenschen auch recht offen. Auf diesen Zahlen beruht Conways erster Aufsatz. Weiterhin scheinen die Medizinischen Dienste zumindest teilweise die Anträge für geschlechtsangleichende Operationen zu zählen, von denen zumindest einige einmal Zahlen veröffentlichten, siehe unter P29b. Für die Jahre 1991-2000 wurden weiterhin Zahlen für TSG-Verfahren genannt.
Zumindest in Deutschland werden nicht gezählt:
Die Anzahl der Menschen, die als geschlechtsangleichende Maßnahme eine Hormontherapie bekommen. Das wäre unserer Erfahrung nach eine Zahl, die man erheben könnte, um alle transgeschlechtliche Menschen mit medizinischem Behandlungsbedarf zu erfassen, lässt jedoch trans* Personen mit rein sozialer Transition wiederum außer acht. Die gesetzlichen Krankenkassen speichern solche Angaben und stellen sie Bedarf auch auch dem Medizinischen Dienst als Leistungsauszug zur Verfügung, z.B. bei Anträgen auf geschlechtsangleichende Maßnahmen. Statistisch verwertet werden diese Daten leider nicht.
Chirurgische Eingriffe auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen werden statistisch erfasst.. Man müsste sich allerdings darauf einigen, was und wie man zählt, da nicht jeder alles oder überhaupt eine chirurgische Maßnahme braucht, bei vielen aber auch mehr als eine Maßnahme nötig ist. Zur Zeit wären vermutlich halbwegs aussagekräftig die genitalangleichende Operation für trans* Frauen, die Mastektomie bei trans* Männern, jedenfalls um jene zu erfassen, welche überhaupt operative Eingriffe wollen. Nicht-binäre Personen sind hier seit Oktober 2023 leider ausgeschlossen, müssen die Kosten selber tragen und fehlen damit in den Statistiken der gesetzlichen Krankenkassen.
Warum nur 7000 oder weniger? Rasanter Anstieg bei Jugendlichen?
Warum werden diese Zahlen dann oft so niedrig angegeben? Man findet sie ja nicht nur in der Boulevardpresse, sondern auch in ansonsten gut recherchierten Artikeln. Man findet sie sogar in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und auch in politischen. Sollten etwa manche Menschen ein Interesse daran haben, die Zahlen möglichst klein zu halten? Und wenn ja, wer?
Aber zunächst eins, weil irgendwer es anbringen wird: Natürlich sind wir als Lobbyorganisation daran interessiert, dass die Zahlen in einer realistischen Höhe verbreitet werden. Das hat aber wenig damit zu tun, dass es irgendwie mehr Spaß machen würde, viele Menschen zu vertreten statt weniger, oder dass es einen irgendwie wichtiger macht; Rechte, seien es soziale, juristische, oder das auf medizinische Behandlung, hat jeder, der sie braucht, egal wie viele Menschen diese noch benötigen. Nur machen künstlich klein gehaltene Zahlen in vielen Bereichen die Arbeit nicht eben einfacher („Och, für die paar Leute, was sollen wir uns da aus dem Fenster lehnen?“ oder „Das sind doch nur ein paar Exoten, und ich kann mich ja nicht mit allem, was es irgendwo mal gibt, auseinandersetzen!“), sondern es ist daneben auch ausgesprochen frustrierend, wenn 9 von 10 Menschen, für die und mit denen man arbeitet (und meist ja auch dazuzählt) einfach die Existenz abgesprochen wird. Fest steht, das man für die Planung von Kapazitäten und Kosten realistische Angaben braucht.
Kleine Fallzahlen werden von einer sehr überschaubaren Gruppe von trans*feindlichen Medizinern und Entscheidungsträger*innen genutzt, wenn sie in ihrem Wirkungsbereich trans* und nicht-binäre Personen unsichtbar machen wollen. Sei es, weil sie medizinische Interventionen vor allem bei Jugendlichen grundsätzlich ablehnen, an „soziale Ansteckung“ unter Jugendlichen glauben oder keine trans*, inter*, nicht-binären oder agender Personen im Unternehmen oder in der Verwaltung haben wollen.
Relativ neu ist, einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen medizinischer unterstützter Transition bei Jugendlichen zu konstruieren und das auf einer absurden Datenbasis. Ein Beispiel dafür war die ihrerzeit einzige Klinik für trans* Jugendliche „Tavistock“ in England, die ab Ende 2021 auf Betreiben der konservativen britischen Regierung unter R. Sunak ihren Betrieb einstellen musste. Die Klinik hatte aus Kapazitätsgründen abgewiesene Patient*innen in die Statistik der Folgejahre verschoben, da sie sich mangels Alternative natürlich erneut angemeldet hatten bzw. überwiesen wurden. Zeitweise wurden dort vor dem Brexit auch Patient*innen aus der Republik Irland aufgenommen. Daraus haben sich Anti-Trans* Aktivist*innen dann eine Trans-Hype Propaganda konstruiert. Die Angaben dazu sind nur noch im Webarchiv zu finden (Achtung 10-15s Ladezeit!).
Die Politik
Die Politik hätte auch gerne möglichst wenig trans* Personen in Deutschland. Warum? Ganz einfach, wenn es so um die 7000 bleibt, braucht man sich „um die paar Leute“ nicht zu kümmern, man ist ja bereits hinreichend ausgelastet. Bei 70.000 sähe das schon ein wenig anders aus, da müsste man vielleicht doch mal so langsam anfangen, etwas zu tun, von 160.000 ganz zu schweigen. Jetzt, da das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) es endlich erleichtert den gewünschten Geschlechtseintrag und Vornahmen zu bekommen sind es einigen schon wieder zu viele und man will wegen weniger als einer Hand voll Missbrauchsfällen nicht einmal die beschlossene Evaluation des SBGG abwarten und vermutlich praxisfremde Hürden in das Gesetz einbauen.
Die Medien
Auch die Medien haben ein gewisses Interesse, die Zahlen eher klein zu halten. Nicht aus Böswilligkeit, im Gegenteil, mittlerweile sind sogar in nicht unbedingt als liberal bekannten Boulevard-Publikationen recht sympathische Berichte zu finden zum Thema. Aber zum einen erspart das Abschreiben alter Zahlen aufwendige Recherchen, und zum anderen – nun ja, da wäre das Exotische einfach nicht mehr so exotisch. Und damit nicht mehr so Auflage-/Zuschauerzahlen-steigernd.
Einige „garantiert echte, staatlich geprüfte Transsexuelle“
Lynn Conway berichtet in einem Update ihres 2001er-Artikels, dass sie die frühesten, und sehr heftige Reaktionen auf diesen Artikel bekam von — (einigen!) anderen trans* Frauen, welche vehement protestierten gegen diese neuen Zahlen. Warum? Lynn führt zwei Gründe an, und meiner Erfahrung nach ist hier nichts anders zu erwarten:
Solidarität versus Exklusivität, da müssen einige Leute nicht lange nachdenken. Sie sind schließlich etwas besonderes, und das soll bitte schön auch so bleiben! Es ist doch viel schöner, Mitglied einer kleinen, exklusiven Gemeinschaft zu sein, als seine hart erkämpfte Diagnose mit vielleicht 100.000 Leuten teilen zu müssen. Finden sie jedenfalls. (Dieser K(r)ampf wird auch an anderen Fronten ausgefochten von einer sehr kleinen, aber leider auch sehr lautstarken Minderheit.)
Ein gerne angeführtes Argument in diesem Zusammenhang (wir erlauben uns, es als vorgeschoben zu betrachten) ist dabei die Kostenübernahme. Wenn es so viele Leute gibt, welche diese brauchen könnten, dann würden die Krankenversicherungen irgendwann nicht mehr zahlen wollen.
Was Unsinn ist, denn die Zahlungspflicht (die mit Wollen nichts zu tun hat) ergibt sich nicht daraus, dass wir so wenige sind, sondern daraus, dass eine bestimmte Person diese oder jene medizinische Maßnahme benötigt. Es käme doch auch keiner auf den Gedanken, Vorsorgeuntersuchungen etwa für Krebs einzustellen, damit nicht irgendwann die Kassen auf die Idee kommen, dass es zu viele Kranke mit dieser Krankheit gibt, und man deswegen nicht mehr zahlen möchte. Warum sollte man das geschlechtlicher Vielfalt anders sehen? Zumal die Rate derer, die unbedingt den vollständigen Satz medizinischer Maßnahmen haben wollen, ohnehin sinkt.
Worauf diese Reaktion einiger weniger beruht, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Von einem souveränen Umgang mit der eigenen Geschlechtsidentität spricht es jedenfalls eher nicht. Hier führe ich es auch nur auf, weil ähnliche Reaktionen – leider – zu erwarten sind.
Fazit
Wir gehen davon aus dass ca. 0,9% der Menschen in Deutschland die Geschlechtsrolle ihrem erlebten Geschlecht anpassen früher oder später anpassen. Diese teilen sich zu gleichen Teilen in trans* Frauen, trans* Männer und nicht-binäre bzw. agender Personen auf. Wir beziehen uns dabei auf Umfragen aus den USA und der Statistik des Stat. Bundesamtes zu den SBGG Anträgen. Diese Angaben können nicht mit der Zahl medizinischer Eingriffe gleichgesetzt werden.
Anmerkungen
Kurz gesagt, denn das Thema kann hier nicht einmal ansatzweise in seiner ganzen Breite dargestellt werden, hatte nur Trans* einmal eine fest umrissene und halbwegs unumstrittene Definition. Und selbst diese haben sich viele interessierte Personen und Gruppen, sowohl die trans* Leute Personen als auch die Behandelnden und Wissenschaftler*innen, über die Jahre zurechtgebogen, wie es gerade gebraucht wurde. Das führte eben dazu, dass es keine allgemein anerkannte und/oder tragfähige Definition mehr gibt. Dazu mehr in einem anderen Artikel, der demnächst hier erscheinen wird.
Hier in diesem Artikel kann man in etwa von folgenden Definitionen ausgehen; diese Aufzählung ist nicht als Wertung der Definitionen zu betrachten:
Transgeschlechtlichkeit / Transidentität/ Transgender/ Transsexualität: Die innere Gewissheit, einem anderen, nicht dem zugewiesenem Geschlecht oder gar keinem anzugehören, der Wunsch, in einem anderen oder keinem Geschlecht zu leben. Es kann mit dem Streben nach körperverändernden Maßnahmen, meistens zumindest Hormontherapie, genitalangleichende Operationen bei trans* Frauen und mindestens Mastektomie bei trans* Männern verbunden sein.
Wobei der einzige uns bekannte Artikel (Weitze C., M.D., Osburg S., M.D. (1997) Empirical Data on Epidemiology and Application of the German Transsexuals‘ Act During Its First Ten Years . IJT 2,1, niedrigere Zahlen nennt, nämlich 1422. Dennoch wurde bis etwa zur Jahrtausendwende die damals geläufige Zahl 3.500, und später die 7.000, mit genau diesen ersten 10 Jahren TSG begründet.
Lynn Conway, How Frequently Does Transsexualism Occur? 2001, Deutsch Wie häufig tritt Transsexualität auf?
Olyslager, F. and Conway, L., On the Calculation of the Prevalence of Transsexualism, presented at Thek WPATH 20th International Symposium, Chicago, Illinois, September 6, 2007,
Bevölkerungszahlen laut Link
Nach: Kuyper, L. (2006). Seksualiteit en seksuele gezondheid bij homo- en biseksuelen [Sexuality and sexual health among homo- and bisexuals]. In F. Bakker & I. Vanwesenbeeck (Eds.), Seksuele gezondheid in Nederland 2006 [Sexual health in the Netherlands 2006] (pp. 167-188). Delft: Eburon.
Nach: Graaf, H. de, & Vanwesenbeeck, I.. (2006). Controversiële verlangens. [Controversal longing.] In F. Bakker & I. Vanwesenbeeck (Eds.), Seksuele gezondheid in Nederland 2006 [Sexual health in the Netherlands 2006] (pp. 47-65). Delft: Eburon.
Vollständige Englische Übersetzung der entsprechenden Absätze, mit freundlicher Genehmigung des Übersetzers:
TransGender Europe Network and Council
Bakker, F., & Vanwesenbeeck, I. (eds) (2006). Seksuele gezondheid in Nederland 2006 [Sexual Health in the Netherlands 2006]. Delft: Eburon.
Translation of parts relevant for gender identity/gender expression issues
(translation by Justus Eisfeld, TransGender Europe)
Ambivalent Gender Identity
From: Kuyper, L. (2006). Seksualiteit en seksuele gezondheid bij homo- en biseksuelen Sexuality and sexual health among homo- and bisexuals]. In F. Bakker & I. Vanwesenbeeck (Eds.), Seksuele gezondheid in Nederland 2006 [Sexual health in the Netherlands 2006] (pp. 167-188). Delft: Eburon.
Both men and women were asked in how far they experience themselves to be men and women psychologically. If people experienced themselves to be significantly more the other than their own sex we call this an opposite gender identity. 0.5% of both men and women experience this. We estimate this to be 16,300 to 49,000 men and 16,000 to 48,000 women in the age range 19 to 69 years. For heterosexuals and lesbians/gays/bisexuals the percentages are respectively 0.3% and 1.7% (a difference that we were unable to verify due to the small amounts). Additionally 5.1% of the men and 5.0% of the women don’t have an opposite gender identity, but have one that is at least ambivalent: they score at least equally high for experiencing themselves psychologically to be the other as well as their own sex. Converted to the Dutch population of 19-69 year-olds this is the case for an estimated between 229,000 and 332,000 men and 219,000 and 321,000 women. Due to the lack of proper validity we are unable to verify whether the opposite or ambivalent gender identity is of a genderdysphoric nature.
Paraphilia
From: Graaf, H. de, & Vanwesenbeeck, I.. (2006). Controversiële verlangens. [Controversal longing.] In F. Bakker & I. Vanwesenbeeck (Eds.), Seksuele gezondheid in Nederland 2006 [Sexual health in the Netherlands 2006] (pp. 47-65). Delft: Eburon.
[…] To conclude 3.3% of the men (n=69) and 0.2% of the women (n=6) long to dress as the opposite sex, because this is sexually exciting for them. The major part of these men (2.8% of the sample, n=61) and women (0.1%, n=4) dresses in travesty once in a while, almost a quart (very) often. We could not find a relation between the desire and practising of travesty and an ambivalent gender identity.
About the study:
‚Sexual health in the Netherlands 2006‘ is a representative study of 4,170 persons in the Netherlands (total population about 16 million inhabitants). RNG (Rutgers-Nisso Groep) is the country’s foremost expert centre on sexuality. www.rng.nl. For more information about the issues regarding gender identity from the present study contact Lisette Kuyper (l.kuyper@rng.nl ) or about general issues regarding the population study contact Floor Bakker (f.bakker@rng.nl )
About TransGender Europe:
TransGender Europe is a European network of transgender groups and individuals. If you have questions about our policy, please visit our website: www.tgeu.net .
Siehe etwa: Seikowski Kurt. Was ist Transsexualität? Definition und begriffliche Abgrenzungen. In männlich – weiblich – menschlich. Trans- und Intergeschlechtlichkeit. in: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport – Berlin (Hrsg.): Dokumente lesbisch-schwuler Emazipation Nr. 22, Eigenverlag, Berlin (2006); S. 17-28
Herzlichen Glückwunsch meinen Lesern, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt und nicht von Worten oder Zahlen erschlagen wurdet. Der nächste Artikel aus meiner Tastatur wird auch sicher ohne selbstgerechnete Statistiken sein.
Euer Alex
Kommentare zu diesem Artikel bitte an die Öffentlichkeitsarbeit der dgti. Ich danke insbesondere Katrin, Justus, Julia, Branden, Peter Pan und dem anderen Alex für ihre Mithilfe.
Alexander Regh (2008)
Ausgegebene Ergänzungsausweise der dgti e.V.
Hier eine Übersicht über die Anzahl der bis einschließlich 31. Dezember 2025 ausgestellten Ergänzungsausweise, aufgeschlüsselt nach Gesamtzahlen der Angaben Mann-zu-Frau-Trans*, Frau-zu-Mann-Trans* sowie nicht-binäre Menschen (unterschiedliche Angaben wie intergeschlechtlich, enby, nicht-binär, divers usw.) jeweils unter bzw. ab 18 Jahren Alter der Betroffenen:
| Jahr | gesamt | U18 MzF | MzF | U18 FzM | FzM | nicht-binär |
| 2001 | 44 | 1 | 32 | 0 | 11 | |
| 2002 | 109 | 0 | 85 | 0 | 24 | |
| 2003 | 119 | 0 | 81 | 0 | 38 | |
| 2004 | 134 | 1 | 84 | 1 | 48 | |
| 2005 | 139 | 2 | 83 | 1 | 53 | |
| 2006 | 136 | 1 | 88 | 1 | 46 | |
| 2007 | 152 | 4 | 85 | 0 | 63 | |
| 2008 | 185 | 7 | 110 | 3 | 65 | |
| 2009 | 192 | 0 | 111 | 0 | 81 | |
| 2010 | 210 | 4 | 105 | 3 | 98 | |
| 2011 | 217 | 2 | 109 | 0 | 106 | |
| 2012 | 282 | 10 | 140 | 11 | 121 | |
| 2013 | 387 | 13 | 182 | 40 | 152 | |
| 2014 | 430 | 22 | 195 | 41 | 235 | |
| 2015 | 464 | 21 | 185 | 66 | 279 | |
| 2016 | 656 | 25 | 275 | 96 | 381 | |
| Jahr | – | alle MzF | – | alle FzM | alle nb | |
| Einführung | neuer | EA | Mai 2017 | inklusive | nicht- | binär |
| 2017 | 1101 | 103 | ||||
| 2018 | 1902 | 551 | 1063 | 210 | ||
| 2019 | 2131 | 589 | 1304 | 238 | ||
| 2020 | 2489 | 728 | 1371 | 390 | ||
| 2021 | 3455 | 959 | 1678 | 818 | ||
| 2022 | 5587 | 1422 | 2460 | 1705 | ||
| 2023 | 6097 | 1641 | 2601 | 1855 | ||
| 2024 | 4196 | 1134 | 1745 | 1317 | ||
| 2025 | 1535 | 480 | 464 | 591 | ||
| gesamt | 29721 |
Quelle: Bundesamt für Justiz, Adenauerallee 99 – 103, 53113 Bonn, Referat III 3, Justizforschung; Kriminologie; Kriminalprävention; Justizstatistik
Immer wieder werden wir gefragt, wie viele Transsexuelle es denn in Deutschland gäbe. Recherchiert man im Web, so findet man eine Bandbreite von (spekulativen) Zahlen, die kaum Rückschlüsse auf die tatsächlichen Zahlen erlaubt. Eine endgültige Antwort auf diese Frage werden auch wir heute nicht geben können. Wir verfügen jedoch über Informationen des Bundesamts für Justiz, aus der die Fallzahlen der Verfahren nach dem Transsexuellengesetz an den deutschen Amtsgerichten hervorgeht.
Anzahl der Verfahren nach dem Transsexuellengesetz:
(ergänzt um die Jahre 1991 bis 1994 aus Quellen der dgti e.V.):
| 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 |
| 265 | 311 | 389 | 435 | 400 | 457 | 447 | 507 | 541 | 722 | 772 | 758 |
| 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 |
| 767 | 886 | 791 | 644 | 799 | 903 | 992 | 1118 | 1657 | 1277 | 1471 | 1443 |
| 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024* | — | — |
| 1648 | 1868 | 2085 | 2614 | 2582 | 2687 | 3232 | 2030 | 1922 | 596 | — | — |
Statistik Anträge auf Vornamens und/oder Personenstandsänderungen nach TSG.
* bis 31.10.2024 ab dann Möglichkeit der Antragsstellung nach Selbstbestimmungsgesetz ab (SBGG) ab 1.8.2024
Anzahl der Verfahren nach dem Selbstbestimmungsgesetz ab 1.11.2024 * 2024: ohne TSG Verfahren
| 2024 | 2025 | 2026 | |||||||||
| 9993* | 15688 |
Summe für die Jahre 1981 bis 2025: 69.029 Verfahren nach TSG und SBGG.
Bei einem Bevölkerungsstand von 83,51 Millionen Einwohnern in der Bundesrepublik Deutschland im Januar 2025 entspricht dies 0,082% der Bevölkerung, die in diesen 44 Jahren ein Verfahren nach dem Transsexuellengesetz oder Selbstbestimmungsgesetz durchlaufen haben. Bezogen auf das Verhältnis der jährlichen TSG/SBGG Verfahren zu den jährlichen Geburten ergibt sich jedoch ein Bevölkerungsanteil zwischen 0,41% (2021) – 2,39% (2025) .
Anzumerken ist, dass das Transsexuellengesetz bereits 1980 verabschiedet wurde. Für die Jahre 1980 bis 1990 liegen keine öffentlich verfügbaren Daten vor. Daneben existiert noch die sehr hohe Dunkelziffer von transgeschlechtlichen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nie ein Verfahren nach dem Transsexuellengesetz angestrebt haben. Die im Jahr 2022 und 2023 gesunkene Zahl der Anträge erklären wir uns mit dem im Juni 2022 veröffentlichten Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz und der allgemeinen Hoffnung auf dessen schnelle Umsetzung. Dadurch wurden Anträge nach dem TSG aufgeschoben bzw. bis zur Verabschiedung des SBGG zurückgestellt. Damit korrespondiert ein starker Anstieg bei den durch die dgti e.V. ausgestellten Ergänzungsausweisen.
Mit der Einführung des SBGG wird die Dunkelziffer zurückgehen, aber nicht verschwinden. Est gibt zahlreiche Gründe, eine Änderung des Personenstands nicht durchführen zu können oder zu wollen. Warten auf Einbürgerung, Strafverfolgung im Herkunftsland bei Migrant*innen (Geburtsurkunde Ausland), Probleme mit der Familie, Partner*innen, unsichere Einreise und Benachteiligungen auch in die USA oder UK bei beruflicher oder familiärer Notwendigkeit.
Ausblick
Seit August 2025 ist die Zahl der Anträge deutlich zurückgegangen, und stabilisiert sich auf ca. 620-740 pro Monat. entsprechend ca. 7300- 9000 pro Jahr.
Alexander Regh (2008), Sandra Wißgott, dgti e.V. (2013) / zuletzt aktualisiert: Petra Weitzel (7/2026)