Eine der bedeutendsten trans* Künstlerinnen unserer Zeit, eine präzise Beobachterin und eine Stimme die weiterlebt
Yishay Garbasz ist im Alter von 55 Jahren unerwartet verstorben. Sie war eine renommierte britisch-israelische, in Berlin lebende Künstlerin, Aktivistin sowie eine enge Freundin und Wegbegleiterin für viele. Ihr Tod ist ein plötzlicher und großer Verlust – für ihre Wahlfamilie, die Kunstwelt und die trans* Community.
Yishay Garbasz: Radikal, scharfsinnig und politisch
Yishay Garbasz (geb. 1970 in Israel) war eine interdisziplinär arbeitende, queer-feministische Künstlerin, deren Werk Fotografie, Performance und Installation umfasst. Sie wuchs als Tochter einer Holocaust-Überlebenden in Herzlia, Israel auf, studierte Fotografie bei Stephen Shore in New York und absolvierte eine Zen-Ausbildung, was sie auch als Künstlerin beeinflusste. Yishay Garbasz Arbeiten setzen sich mit Fragen von Identität, Gender sowie der kulturell geprägten Weitergabe von Trauma und ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander. Ihre Arbeiten sind radikal, scharfsinnig, politisch und gleichzeitig berührend in ihrer ehrlichen, umverschönernden Intimität. Yishay Garbasz Kunst wurde international in Galerien und Museen ausgestellt. Die New York Times berichtet 2014 über ihre Ausstellung „Ritual and Reality“ von großer emotionaler Tiefe und sie ist Teil des Great Women Artist (Buch, 2019) als eine der 400 wichtigsten Künstlerinnen der letzten 500 Jahre.
Yishay Garbasz Arbeit macht mehrfach marginalisierte Perspektiven sichtbar
Yishay Garbasz ’Werk ist von einer besonderen Dringlichkeit geprägt: dem Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen und dem Unbequemen eine Form zu geben, die Betrachtung ermöglicht. Es verbindet ästhetische Präzision mit politischer Relevanz – sie engagierte sich beispielsweise für mehr Sichtbarkeit von Trans* Frauen in der Kunstwelt. In ihrer Arbeit „Becoming“ (2010/2023) entwickelte sie eine großformatige Installation in Form eines Zoetrops, basierend auf einer fotografischen Langzeitdokumentation. Über einen Zeitraum von zwei Jahren – ein Jahr vor und ein Jahr nach einer geschlechtsangleichenden Operation – entstanden wöchentliche Selbstporträts, die körperliche Veränderungen im Prozess der Transition festhalten. Die Arbeit setzt sich bewusst von gängigen Darstellungen trans* Körpern ab und richtet stattdessen den Blick auf graduelle Veränderungen und betont die Kontinuität von Identität jenseits binärer Zuschreibungen.
In „In My Mother’s Footsteps“ verhandelt Yishay Garbasz die späte Erkenntnis der eigenen familiären Herkunft und das lange Schweigen über die Holocaust-Erfahrungen ihrer Mutter sowie deren fortwirkende Auswirkungen. Die Arbeit thematisiert die transgenerationale Weitergabe von Trauma, Erinnerungslücken und den Versuch, sich durch künstlerische Auseinandersetzung der Vergangenheit anzunähern und eine eigene Position dazu zu finden. Das Fotoprojekt wurde als Buch veröffentlicht und 2009 für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert.
Yishay Garbasz fordert auf hinzusehen
Der Verlust von Yishay Garbasz wiegt schwer. Zugleich bleibt ihr Werk als Impuls bestehen – als Aufforderung, hinzusehen, wo Verdrängung stattfindet und Räume für Sichtbarkeit und Selbstbestimmung weiter zu öffnen.
Eine Gruppe von Freund*innen und Wegbegleiter*innen engagierten sich dafür, trotz institutioneller Hürden, ihr eine würdige Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee sowie eine Gedenkfeier und einen Grabstein zu ermöglichen.
Yishay Garbasz Kunst muss gerettet werden
Zugleich bemüht sich aktuell ihre Wahlfamilie um die Sicherung ihres künstlerischen Nachlasses, um dessen Erhalt und um internationale Sichtbarkeit zu gewährleisten. Ein Crowdfunding unterstützt dieses Vorhaben und trägt dazu bei, Yishay Garbasz Werk und Andenken zu bewahren und weiterhin in institutionelle Kontexte zu tragen.
Wir werden Yishay Garbasz in Erinnerung behalten – als eine der bedeutendsten trans* Künstlerinnen unserer Zeit, als präzise Beobachterin und als Stimme die weiterlebt.
Website von Yishay Garbasz: https://yishay.com/index.php/elementor-322/
Instagram von Yishay Garbasz: https://www.instagram.com/yishaygarbasz/
Spendenaufruf: https://www.gofundme.com/f/yishay-garbasz-memorial-service-and-artwork-preservation
Nachruf Autor: Jay Ritchie
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