Der dgti-Ergänzungsausweis: Warum er trotz Selbstbestimmungsgesetz immer noch wichtig sein kann

Seit dem 1. November 2024 ist das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) in Kraft. Es erlaubt Personen, deren nicht mit ihrem offiziellen Geschlechtseintrag übereinstimmt, ihre Angaben durch eine einfache Erklärung beim Standesamt zu ändern. Aber auch wenn das Gesetz diese Änderung erleichtert, ist das nicht für jede Person der richtige Weg — und das ist völlig in Ordnung. Der dgti-Ergänzungsausweis bleibt weiterhin ein hilfreiches und flexibles Werkzeug, das oft genau die Unterstützung bietet, die gebraucht wird.

Was ist der dgti-Ergänzungsausweis?

Der wird von der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e.V. () herausgegeben. Er enthält die selbstgewählten Daten wie Vorname, Pronomen und Geschlecht sowie ein aktuelles Passfoto. Dieser Ausweis hilft, Unterschiede zwischen dem eigenen Aussehen und den Angaben in offiziellen Dokumenten zu überbrücken und so Diskriminierung und unangenehme Situationen zu vermeiden. Er ergänzt den Personalausweis und ist nur in Verbindung mit diesem gültig. Das Bundesinnenministerium hat die Ausstellung des Ergänzungsausweises genehmigt.

Warum ist der Ergänzungsausweis immer noch hilfreich?

Es gibt viele Gründe, warum der Ergänzungsausweis immer noch nützlich sein kann. Vielleicht ist eine rechtliche Änderung nach dem SBGG im Moment (noch) nicht der richtige Schritt für dich. Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

  1. Unsicherheit: Vielleicht fühlst du dich bereit, deinen Namen und dein Geschlecht zu ändern, bist dir aber nicht sicher, ob du diesen Schritt schon offiziell machen willst. Der Ergänzungsausweis gibt dir die Möglichkeit, deinen neuen Namen und dein Geschlecht im Alltag auszuprobieren — ohne den Druck, sofort eine endgültige Entscheidung zu treffen. Stell dir vor, du gehst zum ersten Mal mit deinem neuen Namen zur Bank oder zum Arzt. Der Ergänzungsausweis gibt dir dabei Sicherheit, sodass du nicht ständig deine Identität erklären musst. Das hilft dir, dich erst einmal zu erproben, bevor du eine offizielle Änderung in Betracht ziehst.
  2. Angst vor negativen Reaktionen: Eine rechtliche Änderung ist ein sehr sichtbarer Schritt, und vielleicht bist du noch nicht bereit, allen in deinem Umfeld davon zu erzählen. Mit dem Ergänzungsausweis kannst du in Bereichen deines Lebens, in denen du dich sicher fühlst — wie im Freund*innenkreis, an der Uni oder im Verein — deine wahre Identität leben, ohne sofort alles rechtlich ändern zu müssen. Vielleicht hast du Angst, wie deine Familie, dein Arbeitgeber oder andere Personen darauf reagieren. Der Ergänzungsausweis gibt dir die Flexibilität, selbst zu entscheiden, wer was erfährt und wann.
  3. Keine Eile — dein Tempo zählt: Die Entscheidung, den Geschlechtseintrag und den Namen offiziell zu ändern, kann sehr einschüchternd sein, weil sie endgültig wirkt. Der Ergänzungsausweis ist eine Art Zwischenlösung, die es dir erlaubt, in deinem eigenen Tempo voranzugehen. Vielleicht willst du einfach nur du selbst sein, ohne gleich alle rechtlichen Schritte zu machen, die mit Bürokratie und Formalitäten verbunden sind.

Wie beantragst du den Ergänzungsausweis?

Der Antrag ist einfach und kann online über die Website der dgti gestellt werden. Du brauchst ein aktuelles Passfoto und die Nummer deines Personalausweises, mit dem der Ergänzungsausweis zusammen verwendet wird. Der Prozess ist unkompliziert, damit es für dich keine unnötigen Hürden gibt.

Fazit

Das ist ein großer Schritt für mehr Rechte und Anerkennung der Geschlechtsidentität. Aber jeder Mensch geht seinen eigenen Weg, und dieser Weg muss nicht sofort zu einer offiziellen Änderung führen. Der dgti-Ergänzungsausweis gibt dir die Flexibilität, Sicherheit und den Schutz, den du brauchst, um deine Identität in deinem eigenen Tempo zu leben. Egal, ob du gerade erst anfängst oder schon weiter bist: Der Ergänzungsausweis ist ein Werkzeug, das dir helfen kann, genau dann du selbst zu sein, wenn du es möchtest.

Wenn du Unterstützung oder Beratung zu diesem Thema brauchst, steht dir die dgti mit ihrem bundesweiten Peer-Beratungsteam zur Seite. Unsere Beratenden bieten psychosoziale und fachliche Unterstützung rund um die Themen trans* Identität, und Nicht-Binarität. Mehr Informationen findest du auf unserer Website.
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