Am 20. Januar 2025 unterzeichnete Donald Trump eine Executive Order (Präsidialerlass) mit dem Titel „Defending Women from Gender Ideology Extremism and Restoring Biological Truth to the Federal Government“. Der Erlass schreibt vor, dass die US-Regierung nur noch zwei Geschlechter anerkennt: männlich und weiblich. Damit entfielen zahlreiche Schutzmaßnahmen für trans*, nicht-binäre und inter*geschlechtliche (tin*) Menschen.
Hinweis zum Stand: Dieser Beitrag beschreibt die Lage im Februar 2025. Der Oberste Gerichtshof der USA ließ am 6. November 2025 die Pass-Regel (Geschlechtseintrag wie bei der Geburt) vorläufig in Kraft treten, während die Verfahren in den unteren Instanzen weiterlaufen. Wer in die USA reisen will, sollte die aktuellen Einreise- und Passbedingungen vorher prüfen, zum Beispiel beim Auswärtigen Amt.
Kernpunkte des Erlasses
- Kein Recht auf Selbstidentifikation: Behörden dürfen das geäußerte Geschlecht einer Person nicht mehr berücksichtigen.
- Aufhebung früherer Schutzmaßnahmen: Die Regierung hob Vorschriften der Biden-Regierung auf, die tin* Personen vor Diskriminierung schützen sollten.
- Festlegung auf das bei Geburt zugewiesene Geschlecht: In offiziellen Dokumenten wie Pässen und Visa darf nur noch das bei Geburt zugewiesene Geschlecht stehen.
Diese Änderungen wirken sich erheblich auf tin* Personen aus, in den USA und auch bei Reisenden aus dem Ausland.
Änderungen der Bestimmungen für Reisepässe und Visa
Die neuen Regelungen erschweren es trans*, inter* und nicht-binären Bürger*innen der USA mit Reisepass sowie tin* Personen mit anderer Staatsangehörigkeit, in die USA einzureisen:
- Kein Geschlechtswechsel im Pass mehr möglich: Wer als US-Bürger*in den Geschlechtseintrag im Pass ändern wollte, kann das nun nicht mehr tun. Bereits geänderte Pässe bleiben gültig. Neue Anträge lehnen die Behörden ab oder bearbeiten sie nicht. Ersetzt die Behörde einen Pass wegen Verlusts, trägt sie wieder das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht ein (Quelle).
- Internationale Reisende sind auch betroffen: Der Erlass betrifft auch Reisende mit einem korrigierten Pass ihres Herkunftslandes (Quelle). Bei der Einreise oder Visavergabe müssen sie das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht angeben.
- Streichung der „X“-Option: Die Regierung hat die 2022 eingeführte Möglichkeit abgeschafft, im Pass eine geschlechtsneutrale Kennzeichnung zu wählen. Das sorgt bei trans*, nicht-binären und inter*geschlechtlichen Personen für erhebliche Unsicherheit.
- Einreiseverbot bei „Falschangaben“: Stimmt das angegebene Geschlecht nicht mit dem Erscheinungsbild überein, kann das als Täuschung gelten und eine dauerhafte Einreisesperre nach sich ziehen. Das trifft vor allem trans* Personen, deren Papiere nicht mehr zu ihrem tatsächlichen Geschlecht passen (Quelle).
Für viele trans* Menschen heißt das: Sie reisen entweder mit nicht passenden Dokumenten oder verzichten ganz auf Reisen in die USA.
Folgen für trans* Reisende
Beruflich Reisende, insbesondere trans* und nicht-binäre Personen, sollten die aktuellen US-Richtlinien kennen. Sie definieren Geschlecht ausschließlich als männlich oder weiblich. Das kann bei der Einreise zu Schwierigkeiten führen, besonders wenn Ihre Ausweisdokumente ein anderes Geschlecht oder ein „X“ als Geschlechtsmarker zeigen. Prüfen Sie vor Reiseantritt, ob Ihre Dokumente den US-Vorgaben entsprechen. So vermeiden Sie mögliche Komplikationen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amtes.
Erhöhtes Risiko von Diskriminierung und Zwangsouting: An US-Grenzen kontrollieren die Behörden trans* Reisende, deren Dokumente nicht zu ihrem Geschlecht passen, verstärkt. Dadurch steigt das Risiko, geoutet zu werden und Diskriminierung oder sogar eine Einreiseverweigerung zu erleben.
Einschränkung der Mobilität: Viele trans* Menschen verlassen sich auf Papiere, die ihre Identität widerspiegeln. Mit der neuen Regelung geraten sie in rechtliche Unsicherheit, wenn sie in die USA reisen wollen.
Erschwerte Asylsuche: Geflüchtete, die in ihren Heimatländern wegen ihrer geschlechtlichen Identität verfolgt werden, müssen nun noch größere Hürden überwinden, um in den USA Schutz zu erhalten. Menschenrechtsorganisationen sehen darin einen Widerspruch zu internationalen Flüchtlingskonventionen.
Verstöße gegen internationale Menschenrechte
Menschenrechtsorganisationen sehen in dem Erlass einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsstandards:
- Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Artikel 2 und 13): Die Verordnung schränkt aus ihrer Sicht das Diskriminierungsverbot und das Recht auf Freizügigkeit ein. Die Erklärung ist rechtlich nicht bindend.
- Genfer Flüchtlingskonvention: Schutzsuchende trans* Personen könnten durch die Regelung ihr Recht auf Asyl verlieren. Das ist eine Einschätzung, keine gerichtliche Feststellung.
Wie es weitergeht
Internationale Isolation der USA: Länder wie Kanada oder europäische Staaten stärken LGBTQ+-Rechte weiter. Die US-Regierung setzt ein Signal in die entgegengesetzte Richtung. Das könnte diplomatische Spannungen und Reiseboykotte auslösen.
Juristische Gegenwehr: Menschenrechtsorganisationen haben Klagen eingereicht, um die Verordnung zu kippen. Entscheidet ein Gericht zugunsten der Kläger*innen, könnten trans* Personen wieder korrekte Dokumente für Reisen in die USA nutzen.
Wachsende Proteste: Immer mehr trans* Aktivist*innen, Politiker*innen und Menschenrechtsorganisationen fordern, den Erlass zurückzunehmen. Eine spätere US-Regierung könnte die Maßnahme aufheben.
Die Rolle der dgti
Die dgti e.V. beobachtet die Lage genau und setzt sich aktiv für die Rechte von trans*, inter* und nicht-binären Menschen ein. Die verschärften Regelungen zeigen erneut, wie wichtig der Einsatz für Gleichberechtigung und Inklusion bleibt.
Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit bietet umfangreiche Beratung, die trans*, inter* und nicht-binären Personen Orientierung und Unterstützung gibt. Mit einer Mitgliedschaft setzen Sie ein starkes Zeichen für Vielfalt und Gleichberechtigung.
Auch die Peerberatung der dgti, in der sich Betroffene gegenseitig unterstützen, ist eine wertvolle Anlaufstelle für trans* Personen in schwierigen Lebenssituationen.
Wer die Arbeit der dgti zusätzlich unterstützen möchte, hilft mit einer Spende. Jeder Beitrag fließt direkt in Beratung, politische Aufklärungsarbeit und Projekte, die die Rechte von trans* Menschen fördern.
