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Alice Schwarzer im Gendertrouble

Trans Day of Visibility
Transgender Day of Visibility 2022

Die „ZEIT“ veröffentlichte am 23.2.2022 einen Auszug aus einem demnächst erscheinenden Buch von der mit „Im Gendertrouble – Das geplante Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung ist ein fataler Irrweg. Junge Frauen werden nicht geheilt, indem sie Männer werden. Ein Debattenbeitrag“ überschrieben ist.

Dass Redaktionen sich kommenden Gesetzesvorhaben annehmen, ist völlig normal. Es gibt jedoch eine Schieflage. Nimmt die Politik sich marginalisierten Minderheiten an, wird dies aus der rechten Ecke als „Diktatur“ gegen die Mehrheit gebrandmarkt. „Rechte Ecke“ deshalb, weil dort meist die Ansicht vorherrscht, eine -imaginäre- Mehrheit entscheide ohne jede Rücksicht über alles. Dies wird dazu noch an Herkunft, Hautfarbe, sozialem Status und andere Merkmale geknüpft.

Die Redaktion der „ZEIT“ leistet dem beim Thema Trans* -wie viele andere- Vorschub.


Wenn Personen dort vorkommen, dann als Einzelschicksal. Gewählte trans* Vertreter*innen der Community, kommen so gut wie nie zu Wort und schon gar nicht in einem derart unkommentierten Umfang. Damit wird die Einzelmeinung vor die Expertise gestellt. 70er Jahre Feminismus und Psychopathologisierung geben sich die Hand.

Eine derartige Haltung zeugt von einem Demokratieverständnis, das mit unserer Verfassung, dem Grundgesetz und der dazugehörigen Rechtsprechung unvereinbar ist. Im Fall von Alice Schwarzer sollen die Leser*innen ihres Beitrags glauben, Frauenrechte und -räume seien in Gefahr. Frauen seien in Gefahr von trans* Frauen sexuell belästigt, oder von trans* Aktivist*innen infiziert zu werden. Letzteres, um in der Männerrolle sozial erfolgreicher zu sein. Wie es mit der Rechtsprechung zu Persönlichkeitsrechten der trans*, inter* und nicht-binären Personen aussieht, spielt keine Rolle und wird ignoriert.

Nun, trans* Personen machen nach aktuellen Erkenntnissen etwa 0,6% der Bevölkerung aus. Je nachdem wo man fragt, schwanken die Zahlen. Da wo man im Gefängnis landet, wenn man sich outet, sind es 0%. Dort wo es Antidiskriminierungsgesetze und die barrierefreie Möglichkeit zur Anerkennung der geschlechtlichen Identität gibt, auch etwas mehr, zum Beispiel Washington D.C. mit 0,8%.
Diese Möglichkeit gibt es in Europa in acht Ländern: In Irland und Malta seit sieben Jahren. Zuletzt kam die Schweiz dazu. Hat man von dort von massenhaftem Missbrauch der gesetzlichen Möglichkeiten und einer Zunahme sexueller Übergriffe gehört ? Definitiv nein. Es gibt jedoch in Staaten wie Großbritannien, republikanisch dominierten Bundesstaaten der USA und jetzt auch in Deutschland, eine starke Zunahme trans*feindlicher Propaganda, die speziell trans*Frauen als Männer und Sexualstraftäter*innen brandmarkt. Diese Propaganda gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur deswegen, weil es dort die rechtlichen Möglichkeiten für eine geschlechtliche Selbstbestimmung -ohne staatlich verordneten „Geschlechts-TÜV“ bei Psychiater*innen- noch gar nicht gibt. So hat die britische Regierung seit dem Amtsantritt von Boris Johnson die Neuauflage des Gender Recognition Act auf Eis gelegt. Stattdessen werden Statistiken zu inhaftierten trans* Personen in UK gebogen: Inhaftierte trans* Personen werden komplett als trans* Frauen „verkauft“, obwohl die britischen Justizbehörden das erklärte Geschlecht gar nicht erfasst haben. In Deutschland wurden radikalfeministische trans* ausschließende Gruppen erst 2019 aktiv, als das erste Mal ein Ersatz des Transsexuellengesetzes ernsthaft diskutiert wurde.

Zurück zu Alice Schwarzer.

Seit wann ist Geschlechtertrennung eine feministische Errungenschaft?

Sind nach Geschlecht getrennte Toiletten und Saunen ein Ergebnis des Kampfes um Gleichberechtigung und Chancengleichheit? Brauchen Männer erst eine Personenstands- und Vornamensänderung um Frauen in „Frauenräumen“ belästigen zu können? Dort wo die Geschlechtertrennung in sanitären Anlagen aufgehoben wurde, gab es bislang keine Zunahme an solche Übergriffen. Wenn sie passieren, dann kommen sie von Personen, die zu den betroffenen Frauen in einer Beziehung standen, unabhängig davon, ob diese trans* sind oder nicht. Fun Fact: Seit 2011 ist für eine Personenstandsänderung in Deutschland keine Genital-Op mehr nötig. Hat sich das in irgendeiner Weise auf „Frauenschutzräume“ ausgewirkt? Nein, sagt z.B. die Frauenhauskoordination e.V.

Ein weiteres Narrativ ist die Behauptung „sozialer Ansteckung“ mit Trans* und damit verbundener Lösungsversuche der Adoleszenzkrisen junger Menschen. Dabei beruft sich Alice Schwarzer immer wieder auf einen Mann: Dr. Alexander Korte. Es ist durchaus möglich, dass junge Menschen denken, sie seien trans* und sind es tatsächlich nicht. Schwarzer und Korte möchten uns jedoch glauben machen, dass dies ein Massenphänomen sei und in der weit überwiegenden Zahl der Fälle so wäre. Daraus zu schließen, man solle jegliche geschlechtsangleichende Therapie bei Jugendlichen sein lassen ist lebensgefährlich. Nach einer bestätigten medizinischen Notwendigkeit folgt auch die passende Therapie und nicht eine pauschale Verweigerung oder gar ein gewaltsames, hinterhältiges Umdrehen der geschlechtlichen Identität.

Alice Schwarzer selbst hat dazu keine Expertise. „Kronzeug*innen“ die ihr Verlag auffährt machen sich z.T. unglaubwürdig, indem sie Kritik an der Medizin in Deutschland üben aber gleichzeitig zugeben, sich Hormone auf dem Schwarzmarkt besorgt zu haben. Alexander Korte, prominentes Mitglied der Fachgesellschaft DGSMTW, blieb in einer Anhörung im Bundestag (s. Aufzeichnung) die Antwort schuldig, wo man seine Angaben nachlesen kann. Ebenfalls bedenklich: Seine Fachgesellschaft tritt für die „Konversionstherapie“ bei trans* Jugendlichen ein und möchte das seit 2019 geltende Verbot am liebsten wieder abschaffen. Korte hantiert in seinen öffentlichen Auftritten mit Begriffen wie „Transideologie“ und propagiert das als nicht nachweisbar erkannte Phänomen Rapid Onset Gender Dysphoria (ROGD).

Mehr zum Thema:

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Solidarität mit Tessa Ganserer

#deinedgti #emmagefälltmirnicht #tsgabschaffen #gendertrouble

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