Hast du auch manchmal das Gefühl, dass jeder Tag irgendeinem speziellen Thema gewidmet ist? Vom Tag der Schokolade bis zum Welt-Pinguintag, es gibt wirklich für alles einen Gedenktag! Aber bevor du die Augen verdrehst und weiter scrollst: Halt mal kurz! Der Intersex Day of Solidarity am 8. November verdient definitiv deine Aufmerksamkeit. Denn es geht hier um echte Menschen, deren Geschichten oft unsichtbar sind – und um eine Welt, die viel offener und bunter sein könnte, wenn wir uns ein bisschen mehr damit beschäftigen. Klingt spannend? Dann bleib dran!
Wer war Herculine Barbin?
Herculine Barbin ist eine zentrale Figur, deren Leben diesen Gedenktag inspiriert hat. Geboren 1838 in Frankreich, wuchs sie als Mädchen auf und stellte in ihrer Jugend fest, dass ihr Körper sowohl männliche als auch weibliche Merkmale hatte. Das führte schließlich zu einer erzwungenen rechtlichen Neuzuordnung als Mann, was für Barbin verheerende Folgen hatte. Sie verlor ihre soziale Stellung, geriet in Isolation und nahm sich schließlich im Alter von nur 29 Jahren das Leben.
Ihre tragische Geschichte wurde posthum von Michel Foucault veröffentlicht und macht bis heute deutlich, wie verheerend starre Geschlechternormen sein können. Am Intersex Day of Remembrance gedenken wir nicht nur Herculine Barbin, sondern all den intergeschlechtlichen Menschen, die bis heute unter Diskriminierung und Zwangseingriffen leiden.
Worum geht es am Intersex Day of Remembrance?
Dieser Tag ist weitaus mehr als nur ein weiteres Datum im Kalender. Es geht um die Rechte und Sichtbarkeit intersexueller Menschen. Historisch gesehen wurden viele intergeschlechtliche Menschen medizinischen Eingriffen unterzogen, um sie in die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ zu zwingen – oft ohne ihre Einwilligung. Diese Eingriffe haben oft tiefgreifende und traumatische Folgen, sowohl körperlich als auch seelisch.
In Deutschland gab es zwar Fortschritte, etwa durch das Personenstandsgesetz, das seit 2018 die Option „divers“ für den Geschlechtseintrag erlaubt. Doch die Realität sieht für viele intergeschlechtliche Menschen immer noch schwierig aus, da sie mit Vorurteilen und mangelnder Anerkennung ihrer Identität konfrontiert sind.
Medizinische Eingriffe: Ein umstrittenes Thema
Ein zentrales Problem bleibt der Umgang mit intergeschlechtlichen Kindern, denen oft früh im Leben Operationen aufgedrängt werden, um sie einem Geschlecht „anzupassen“. Diese Eingriffe werden in der Regel ohne die Zustimmung der Betroffenen vorgenommen, was nicht nur ethisch fragwürdig ist, sondern auch das Risiko birgt, das Leben dieser Menschen nachhaltig negativ zu beeinflussen.
Intersex-Aktivist*innen fordern, dass solche Eingriffe nur dann vorgenommen werden dürfen, wenn eine dringende medizinische Notwendigkeit besteht. Der Deutsche Ethikrat hat sich 2012 bereits für einen restriktiveren Umgang mit diesen Operationen ausgesprochen. Doch die Praxis zeigt, dass es noch immer viel zu tun gibt, um das Recht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen.
Sichtbarkeit und Aufklärung: Warum dieser Gedenktag so wichtig ist
Eine der wichtigsten Funktionen des Intersex Day of Remembrance ist die Schaffung von Sichtbarkeit für intergeschlechtliche Menschen und ihre Herausforderungen. Geschlecht wird in den meisten Gesellschaften immer noch als strikt binär betrachtet – entweder männlich oder weiblich. Aber die Natur ist weitaus vielfältiger. Intergeschlechtliche Menschen sind lebendige Beispiele dafür, dass Geschlecht nicht einfach in zwei Kategorien passt.
Um diese Vielfalt sichtbarer zu machen, werden rund um den Intersex Day of Remembrance zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen bieten Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden an, um das Bewusstsein zu schärfen. Diese Aufklärungsarbeit ist entscheidend, um Vorurteile abzubauen und das Verständnis für intergeschlechtliche Identitäten zu fördern.
Kulturelle Bedeutung von Herculine Barbin
Herculine Barbins Lebensgeschichte hat nicht nur die intergeschlechtliche Bewegung inspiriert, sondern auch die Kunst- und Kulturszene. Der preisgekrönte Roman Middlesex von Jeffrey Eugenides greift beispielsweise viele Elemente aus Barbins Leben auf und macht sie einer breiteren Leserschaft zugänglich. Auch im Theater und im Film wurde ihre Geschichte immer wieder aufgegriffen, um die Komplexität von Geschlechtsidentitäten zu beleuchten.
Diese kulturellen Werke sind nicht nur Kunst, sondern auch ein wichtiges Werkzeug, um intergeschlechtliche Menschen aus der Unsichtbarkeit zu holen und sie in der öffentlichen Diskussion sichtbarer zu machen.
Was kannst du tun?
Der Intersex Day of Remembrance ist eine Gelegenheit, aktiv zu werden. Wenn du dich fragst, wie du intergeschlechtliche Menschen unterstützen kannst, gibt es viele Möglichkeiten. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode ist, dich selbst weiterzubilden und das Thema in deinem Umfeld anzusprechen. Jeder Schritt in Richtung Bewusstsein hilft, Vorurteile abzubauen.
Du kannst auch Organisationen wie die dgti unterstützen, die sich für die Rechte intergeschlechtliche Menschen einsetzen. Sei es durch Spenden oder durch die Nutzung ihrer Peer-Beratung – dein Beitrag kann einen echten Unterschied machen.
Fazit: Mehr als nur ein weiterer Gedenktag
Ja, es gibt viele Gedenktage – aber der Intersex Day of Remembrance am 8. November ist mehr als nur ein weiteres „besonderes Datum“. Er erinnert uns daran, dass intergeschlechtliche Menschen nach wie vor für ihre Rechte kämpfen müssen. Dieser Tag ist ein Aufruf, aktiv zu werden und sich für eine Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen, unabhängig von ihren Geschlechtsmerkmalen, respektiert und anerkannt werden.
Nutze diesen Tag, um innezuhalten, dich zu informieren und einen Beitrag zu leisten. Denn jeder Schritt in Richtung Akzeptanz und Verständnis bringt uns näher zu einer gerechteren und vielfältigeren Welt.
Der Intersex Day of Remembrance erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Rechte und Bedürfnisse intergeschlechtlicher Menschen zu unterstützen. Die dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) bietet genau dafür die nötige Unterstützung. Mit ihrer Peer-Beratung hilft die dgti intergeschlechtliche Menschen, die oft schwierige und traumatische Erfahrungen gemacht haben. Diese Beratung ermöglicht es Betroffenen, in einem geschützten Raum über ihre Erlebnisse zu sprechen und sich gegenseitig zu stärken.
Du kannst die wichtige Arbeit der dgti direkt unterstützen – sei es durch eine Spende oder, wenn du betroffen bist, durch die Nutzung der Peer-Beratung. Jeder Beitrag hilft, diese wertvolle Unterstützung auszubauen und intergeschlechtliche Menschen in ihrer Selbstbestimmung zu stärken.
Hier kannst du spenden: dgti Spendenaktion auf Betterplace
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